Online: 28.11.2014 - ePaper: 29.11.2014

Viele Schulschicksale gerettet

Betrifft: Neues Schulgesetz für Niedersachsen

Endlich: Eltern können demnächst (hoffentlich!) zwischen allen Schulformen wählen. Gesamtschulen ersetzen Gymnasien und Oberschulen. Und sie tun viel mehr als das: Sie führen deutlich mehr Jugendliche zu höheren Schulabschlüssen bis hin zum Abitur, als es das Nebeneinander der alten Schulen schaffte. Sehr viel weniger Schulabbrecher und Abgänge ohne Schulabschluss gehen auf ihr Konto. Die Integrierten Gesamtschulen im Land zeigen, dass über 40 Prozent der Grundschulempfehlungen zu pessimistisch waren, so hoch ist der Anteil der Jugendlichen, die dort deutlich bessere Abschlüsse als vorhergesagt erreichen. Wie viele Schulschicksale sind hier gerettet worden! Die unsinnigen Abschulungen werden vermieden, damit viel Frust bei Kindern und Eltern, außerdem vermeidbare Kosten für Land und Schulträger. Auch die vielen Wiederholungen, die pro Schüler/in 6000 Euro kosten - davon 20 Prozent für die Kommunen - können vermieden werden, denn vorbeugende Förderung ist nicht nur angenehmer für die Kinder, sondern sehr viel kostengünstiger (Sitzenbleiben ist 70 Prozent teurer).

Falls sich die Kooperative Gesamtschule in Clenze einmal in eine Integrierte umwandelt, dürfte sie noch mehr Zulauf haben. Nun ist jedem Kind ein Platz an einer IGS zu wünschen, aber in Clenze gibt es jetzt schon sieben Klassen pro Jahrgang - zu viele. Die Alternative: Eine weitere IGS im Norden. Neben den 130 Jugendlichen, die weite Fahrten in den Südkreis in Kauf nehmen und viel Zeit im Bus verbringen, würden sicher viele, die jetzt nur Oberschule, Gymnasium oder private Schule zur Wahl haben, lieber gemeinsam eine IGS besuchen und dort endlich nach ihren Neigungen lernen können: Mindestens drei Fächerschwerpunkte ab Klasse sieben, fünf oder mehr ab Klasse neun, dazu Zeiten selbständigen Lernens in einem gut strukturierten Ganztag, der manchen Stress abbaut und freudigeres und effektiveres (!) Lernen ermöglicht.

Dass dabei knapp 50000 Euro jährlich an Fahrtkosten gespart werden können, dürfte den durch den Zukunftsvertrag finanziell geknebelten Schulträger freuen. Dass der Schulstandort Dannenberg mit einer attraktiven Schule, die alle Bildungsgänge inklusive Abitur anbietet, erhalten bleibt, ist sicher im allgemeinen Interesse. Nur mit der immer geringer nachgefragten Oberschule und dem an Attraktivität stark nachlassenden Gymnasium, das mit dem schwachen "Unterbau" keine vernünftige Oberstufe mehr hinbekommt, wäre dieser Standort stark gefährdet. Hingegen sind die Erfahrungen an den vielen neuen Gesamtschulstandorten in Niedersachsen eindeutig: Der Zulauf ist stark, über alle Parteigrenzen hinweg wird dort die Chance gesehen, mit einer IGS die Schule vor Ort zu erhalten und Wegzug zu vermeiden. Es bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnis sich in unserem Kreis durchsetzt, anderswo geht das doch auch.

↔Friederike Borowsky,

↔Glieneitz

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