Online: 28.11.2014 - ePaper: 29.11.2014

Nötig: Wirtschaft ohne Wachstum

Betrifft: Artikel "Unruhe in der Nebelwand" (EJZ vom 17. November)

Wenn es um die Diskussion um Wirtschaftswachstum geht und gefordert wird, Wachstum aus ökologischen Gründen einzuschränken, taucht immer wieder die Frage auf, wie soll das erreicht werden, ohne dass in unserer Gesellschaft alles zusammenbricht. Einfach ist es nicht, doch Gefahren vorherzusagen, die keine oder sehr vage sind, und dabei aus Angst vor Veränderung in einer Haltung des "Einerseits/Andererseits" zu erstarren und so weiter machen wie bisher, das wäre fatal. Wir haben keine Alternative, es sei denn, wir wollen es zulassen, dass sich unser Klima weiterhin drastisch erwärmt, weiterhin Rohstoffe verschwendet, Mensch und Natur ausgebeutet werden und wir uns unsere eigenen Lebensgrundlagen entziehen. Wir sollten die wirklich katastrophalen Folgen, wie sie zum Beispiel im vorigen Weltklimabericht beschrieben wurden, nicht verdrängen. "Grünes Wachstum" kann nicht die Lösung sein: Rohstoffe werden verbraucht, Gewinne und Subventionen kurbeln den Konsum an, die "grüne" Energie fließt ein und ist Teil eines Wirtschaftens des ständigen Wachsens mit steigender Produktion von Konsumgütern, was zusätzlich fossile Energie erforderlich macht. EJZ vom 12. November "Zur Sache": Der CO2-Ausstoß ist erneut gestiegen, "...obwohl der Anteil erneuerbarer Energien zugenommen hat". Erneuerbare Energien machen dann Sinn, wenn sie nukleare und fossile Energien ersetzen und nicht wachstumssteigernd ergänzen. Wir müssen über alternative Wirtschaftsformen und einfache Lebensstile mit weniger Energie- und Rohstoffverbrauch nachdenken - auch als Gewinn von mehr Lebensqualität. Und das geschieht, verbunden mit einer Wertediskussion, seit Jahrzehnten weltweit und aktuell auch bei uns, weil die Negativfolgen ständigen Wachstums zunehmend wahrgenommen werden. In Europa gibt es eine Degrowth-Bewegung: Seit Jahren werden regelmäßig internationale Konferenzen abgehalten, ganz aktuell im September 2014 in Leipzig mit über 3000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Es gibt das Netzwerk "Wachstumswende" oder den Arbeitskreis "Solidarische Ökonomie". Es gibt weltweit eine Vielzahl von Gruppen, die alternative Lebensformen leben. Einen umfassenden Überblick über die gesamte Bewegung gibt Barbara Muraca in einer gerade erschienenen Schrift: "Gut leben - eine Gesellschaft jenseits des Wachstums." Leider wird diese notwendige Bewegung von den Medien wenig publik gemacht, von der Politik zwar genau beobachtet, aber nicht thematisiert - noch nicht. Der Weg zu einer Wirtschaft ohne Wachstum kann nur erfolgen aus der Bevölkerung heraus, die klare Forderungen an Politik und Wirtschaft stellt.

↔Hermann Klepper, Banzau

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