Online: 05.12.2014 - ePaper: 06.12.2014

Zuschauer des Wohlstandes

Betrifft: Artikel "Armutsrisiko steigt" (EJZ vom 20. November)

Unglaublich, aber wahr: Trotz immer neuer Höchststände des Aktienmarktes, trotz kräftig wachsender Super-Vermögen müssen bei den vielen ehrenamtlichen "Tafeln" im Lande des Exportweltmeisters jeden Tag 1,5 Millionen Menschen für ihr Essen anstehen. Noch niemals waren mehr Bürger auf Sozialleistungen angewiesen. Über sechs Millionen Menschen in Deutschland leben derzeit ganz oder teilweise von Hartz IV. Das sind sieben Prozent aller Einwohner, darunter allein 1,6 Millionen Kinder. Wie kann es sein, dass ein reiches Land so viele Menschen zum Zuschauen seines Wohlstandes macht? Und wie lange kann der Staat sich das noch leisten? Laut Bundesarbeitsministerium gaben Staat und Kommunen seit Einführung der Hartz-IV-Reformen im Jahr 2005 bis einschließlich Juli 20I3 knapp 380 Milliarden Euro aus. Vom Arbeitslosengeld für die offiziell drei Millionen Arbeitslosen habe ich bei alledem noch gar nicht gesprochen. Diese gewaltige Summe musste aufgebracht werden, obwohl laut der DIW-Studie Arbeitslose seit 2005 mit allen Mitteln gezwungen werden, ihre privaten Rücklagen nahezu komplett aufzubrauchen. Wie sollen Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, jemals für ihr Alter vorsorgen?

Und wie soll in Zukunft eine Rentenversicherung funktionieren, in die eine wachsende Anzahl von Dumping-Lohnempfängern immer weniger einzahlen, während die Anzahl der Rentner in den kommenden Jahren und Jahrzehnten drastisch ansteigen wird. Die Armut in Deutschland wird erst in zehn bis 20 Jahren richtig deutlich werden. Herr Horst Ahlgrim aus Hitzacker hat in seinem Leserbrief vom 19. November genau und sehr deutlich beschrieben: Wenn ich von unseren Volksvertretern den Satz höre, "Deutschland geht es gut", steigt mir die Zornesröte ins Gesicht.↔Klaus Grothe, Schnega

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