Online: 12.12.2014 - ePaper: 13.12.2014

Ominöses asiatisches Virus

Betrifft: Vogelgrippe

Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit wird irgendwo plötzlich und unerwartet die Vogelgrippe festgestellt, die angeblich durch Zugvögel eingeschleppt wird. Und die lautstarke Forderung nach Aufstallung der Tiere von Hobbyhaltern und nach Geldern der EU für die leidenden Massentierhaltungen folgt wie das Echo einem Schrei in den Bergen. Aber jetzt scheint es einen Unterschied zu den Vorjahren zu geben. Zum ersten Mal wurde nahe Rügen eine asiatische Form der Vogelgrippe in Europa festgestellt. Bei einer Krickente, einer seltenen Rote-Liste-Art. Das Tier wurde ohne äußere Verletzungen oder Hinweise auf eine Erkrankung aufgefunden.

Ich frage mich also, wie schafft so ein Tier die Reise von Vorderasien bis hierher ohne äußere Anzeichen dieser Krankheit, warum gibt man solch ein "gesundes" Tier zur Untersuchung in ein entsprechendes Institut? Wieso gibt es nur ein einziges Tier, bei dem bislang dieses Virus festgestellt wurde und das bei Millionen von Wasservögeln, die zurzeit den gesamten Elberaum durchziehen? Mir kommen dabei die ominösen Golfbälle mit den Spaxschrauben in den Sinn, die der damalige Innenminister Schünemann nach dem letzten Castor der Kamera als Beweis für die Notwendigkeit diverser Polizeiattacken hinhielt. Hier dürfte es nun so ähnlich sein.

Seit einigen Monaten berichten immer mehr Medien über die Zunahme der multiresistenten Keime, die aufgrund des hohen, teils illegalen Einsatzes von Antibiotika in den Ställen auftreten und insbesondere über die Abluft, aber auch durch Personen, die mit solchen Ställen zu tun haben, sowie über Hühnertrockenkot nebst Gärsubtraten großflächig verteilt werden und inzwischen eine tödliche Gefahr für das Gesundheitswesen darstellen. Ärzte schließen sich zu Initiativen zusammen und weisen verstärkt auf die Problematik hin. Krankenhäuser "parken" Patienten, die mit Tierhaltung zu tun haben, zunächst in einer Quarantänestation. Die Wasserverbände erhöhen mit Hinweis auf diese Keime die Wasserpreise. Nun hat "Die Zeit" angefangen, eine vierteilige Serie über diese Gefahr zu veröffentlichen. Im ersten Teil wird der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene zitiert, der von jährlich bis zu 40000 Toten nur in Deutschland ausgeht, die aufgrund der Unwirksamkeit von Antibiotika verstarben. Dagegen ist das Ebola-Virus mit bisher insgesamt 7500 Toten ein laues Lüftchen.

Die Agrarindustrie muss sich also etwas einfallen lassen, um zu verhindern, dass schärfere Gesetze zum Beispiel den Einsatz von Antibiotika einschränken, oder die Tierhaltung insgesamt neu regeln. Bei den zigmilliarden Euro, die die Branche verdient, ist man nicht zimperlich. Und so wie Ökoaktivisten auch mal einen Laubfrosch zwecks besserer Argumentation aussetzen, greift die andere Seite wohl zu ähnlichen Mitteln. Damit aber nun überhaupt kein Verdacht aufkommen kann, dass das Virus aus einem deutschen Stall stammen könnte, muss ein asiatisches Virus her.

↔Willy Hardes,

↔Braasche

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