Online: 29.12.2014 - ePaper: 24.12.2014

Von verlorenen Kindern sprechen

Betrifft: Artikel "Fehlende Mädchen?" (EJZ vom 12. Dezember)

Deutschland ist ausgezählt. Wie Dr. Scherb darlegte, lässt die Betrachtung von vielen Studien bei der insgesamt 80 Mio. Geburten ausgewertet wurden, keinen anderen Schluss zu: Radioaktivität hat einen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis. Besondere Beispiele waren Beznau (Schweiz) und Remlingen/Asse. Auf der Deutschlandkarte sah man Auffälligkeiten an mehreren Atomanlagen, aber mitten darin ein einziger roter Fleck um das Zwischenlager Gorleben. Kein 40-km-Bereich in Deutschland zeigt etwas Vergleichbares. Auch als Skeptiker kann ich hier nicht mehr an einen Zufall glauben. Folgt man Dr. Scherb, dann sind nicht nur die Mädchen betroffen, sondern auch die Jungs, nur eben weniger. Man sollte also besser von verlorenen Kindern sprechen.

Was hier auf wen einwirkt, auf die Frauen, die Männer oder die Schwangeren oder auf alle drei Gruppen, ist unbekannt. Unter Umständen ist das Geschlechterverhältnis nur ein Hinweis, weil Daten vorliegen. Dahinter können sich noch andere Wirkungen verbergen, für die keine Daten oder Untersuchungen existieren.

Da lagert man nun fast 20 Jahren Castor um Castor im Zwischenlager Gorleben ein, und es ist in keiner Weise geklärt, was auf der Oberfläche der Behälter mit der Luft geschieht, die zur Kühlung daran vorbeiströmt. Da wurde am allerersten Castor 1995 die Neutronenflussdichte in 30 cm Abstand gemessen. Das war es an Forschung!

Fragt man bei den Verantwortlichen (GNS, BfS, NMU) nach der Möglichkeit des Entstehens von "Aktivierungsprodukten", dann wird man immer auf Modellberechnungen verwiesen, die ergäben, dass die Menge so klein wäre, dass man sie nicht messen könne. Versucht zu messen hat man nicht. Nun sind Modellberechnungen eine Kiste, aus der man das herausholt, was man vorher hineingetan hat. Es besteht der Verdacht, dass die falschen Daten in der Kiste landeten.

Wie Prof. Bertram und Herr Kusmierz darstellten, sind zwei Aktivierungsprodukte von besonderem Interesse, eine langfristige Wirkung könnte vom Isotop C14 ausgehen, eine kurzfristige vom Isotop Argon41. Beide Isotope sollten bei ihrer Entstehung gasförmig vorliegen und mit der Luft oben die Halle verlassen. Da nutzt es nichts, eine Überwachung am Zaun in einem Meter Höhe zu definieren. Vom NLWKN werden im Jahr nur zwei Proben aus der Umgebung des Zwischenlagers auf das Isotop C14 untersucht.

Das ist viel zu wenig, um irgendeine Frage zu beantworten. Um zu ermitteln, welche Menge Aktivierungsprodukte, mit welcher Dosisleistung entstehen, muss man sich schon mehr Mühe machen. Das wird auf den Vorschlag, "Castor einhausen" und die durchgeleitete Luft ausmessen, hinauslaufen.

Wir dürfen sie nicht aus ihrer Pflicht entlassen, Bund, Land und Wissenschaft sind hier gefordert, Aufklärung zu geben.

Wolfgang Kallen,

Molden

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