Online: 01.01.2015 - ePaper: 02.01.2015

"Einzige langfristige Perspektive ist Glasfaser"

Betrifft: Artikel "Damit die Daten pendeln können" (EJZ vom 19. Dezember)

Schnelles Internet ist tatsächlich eines der wichtigen Instrumente der Entwicklung des Landkreises und auch aus meiner Sicht wichtiger als Autobahnen für vierrädrige Vehikel. Da stimme ich mit dem Autor des Artikels überein. Was die Bewertung der jetzt schon vorhandenen Möglichkeiten betrifft, möchte ich aber ein dickes Fragezeichen hinter die Einschätzung des Verfassers machen. Funk ist angesichts des dramatisch wachsenden Datenverkehrs nicht einmal eine mittelfristige Alternative.

Es handelt sich dabei immer um eine Verbindungstechnik, die sich alle Nutzer teilen, die gerade im Netz arbeiten. Prima, wenn ich gerade allein bin, aber wenn es mehr werden, dann geht die Leistung des Netzes sehr schnell in den Bereich, den selbst Entwöhnte nicht mehr als "sexy" empfinden - von kommerziellen Nutzern, die abhängig von zuverlässig schneller Übertragung sind, ganz zu schweigen.

Damit verknüpft sind in der Regel Begrenzungen im monatlichen Datenvolumen. Die üblichen 10 Gbyte/Monat entsprechen etwa zwei TV-Sendungen à la Tatort und das nicht einmal in HD-Qualität. Danach wird - im Regelfall - auf ISDN-Geschwindigkeit gedrosselt (64Kbit/sec). Das reicht nicht einmal mehr für den Aufbau der Telekom- oder Vodafone-Webseite für eine Beschwerde, falls man nicht gerade zwischendurch ins Kino will.

Alternativ kann man teures Volumen zukaufen. Auf die Funklösung aus Dannenberg (nach meiner Erfahrung handelt es sich um eine Gusborner Firma) möchte ich hier nicht näher eingehen. Hat keine Volumenbegrenzung aber andere Problemzonen (unter anderem die nicht eben zukunftsträchtige Geschwindigkeit).

Die symmetrische DSL-Verbindung gehört aus meiner Sicht nicht in diesen Zusammenhang, jedenfalls nicht ohne Vergleich der - drastisch höheren - Kosten. Neben der fehlenden Diskussion der Datenmengen, die aus meiner Sicht wesentlich kritischer sind als die Geschwindigkeiten, habe ich eine "erweiterte Sicht der Verfügbarkeit" vermisst: Weder wurde die Möglichkeit diskutiert, Glasfaser - wie früher bei Telefonleitungen in entlegene Gegenden üblich - oberirdisch über Masten zu legen, was nur ein Bruchteil der unterirdischen Lösung kostet, noch wurde die Nutzung von Richtantennen bei Funkverbindungen erwähnt. Einzige langfristige Perspektive ist Glasfaser. Zumindest in die Nähe der Endkunden (<= ca. 500 m) oder - noch besser - direkt bis zu diesem. Dem Fazit des Artikels kann ich in der geäußerten Weise in keiner Weise zustimmen und schon gar nicht der Art der Recherche. Als diplomierter Nachrichtentechnik-Ingenieur kann ich diesen Artikel nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.

↔Arno Freihold, Vietze

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