Online: 07.01.2015 - ePaper: 08.01.2015

Mit dem Gejammere aufhören

Betrifft: Leserbrief "Sachlichkeit wünschenswert" von Ulrike Laudel-Voigt und Eberhard Malitius (EJZ vom 2. Januar)

Wollen wir nicht endlich aufhören mit dem Gejammere um die 45 Minuten in der Woche, die ein Gymnasiallehrer in Zukunft mehr arbeiten soll? Brauchen wir wirklich Statistiken, um beweisen zu können, wie schwer es Lehrer haben?

Ich habe rund 18 Jahre lang diesen wunderbaren Beruf nebenamtlich an einer weiterführenden Schule neben meinem eigentlichen Beruf ausgeübt. Es war die schönste Zeit meines Lebens und wohl auch die schönste Zeit meiner Schülerinnen nach ihrer eigentlichen Schulzeit. So wurde mir jedenfalls berichtet. Und wenn der von mir beizubringende umfangreiche Lehrstoff auch nicht die Spannung eines Kriminalromans hatte, haben wir am Ende des dritten Lehrjahres vor dem Examen den Hausmeister bestochen, damit er uns am Sonnabend in die Schule lässt. Und wenn es dann noch Wissenslücken gab, haben wir auch den Sonntag genommen, um das Ziel zu erreichen. Das waren sicher mehr als 45 Minuten! Und die Schüler haben das mit guten Leistungen belohnt. Aber ich war nicht der einzige Lehrer, der so handelte.

Die beamteten Lehrer, ausgesorgt auf Lebenszeit, sollten - statt sich durch 45 Minuten Mehrarbeit überfordert zu fühlen - mal an die Ärzte denken, an die Richter, an die Feuerwehrleute, die Supermarktkassiererinnen oder die Soldaten und die vielen anderen, die viel arbeiten, aber nicht klagen und nicht zu eigenen Gunsten Schülern die meist schönsten Erinnerungen an ihre Schulzeit - die Schulausflüge - nehmen.

Bitte kommt auf die Erde zurück, ihr Pädagogen! Macht guten und spannenden Unterricht, denkt nicht bei jedem Satz, den ihr sagt, an die damit verbundene Arbeit. Seid dankbar, dass ihr Lehrer sein dürft und genießt euren euch gern gegönnten umfangreichen Urlaub.

Lord Nelson sagte vor langer Zeit: "England expects that every man will do his duty." Übersetzen wir das etwas frei: "Deutschland erwartet, dass jeder seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit tut, an welchem Platz er auch steht." Gott sei Dank kann in unserer wunderbaren Demokratie jeder den ihm genehmen Platz selbst aussuchen. Ihr habt´s getan. Nun nehmt eure Pflichten ernst und hört auf zu jammern!

Und an EJZ-Redakteur Piel: Machen Sie weiter mit ihren frechen und dabei köstlichen Kommentaren. Sie werden gelesen. Ein Journalist, der nur schreibt, was jeder gern hören will, hat seinen Beruf verfehlt.

Peter Schröder,

Restorf

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