Online: 07.01.2015 - ePaper: 08.01.2015

Kritik ja, aber mit Niveau

Betrifft: Leserbrief "Ballern, was das Zeug hält" von Andrea Seul, Luckau (EJZ vom 3. Januar)

Die Uhren mögen im Kopf von Frau Seul anders ticken. Bleibt die Frage, welche Jäger sie um 7.40 Uhr gesehen haben mag. Das Treffen zu der von Frau Seul geschilderten Jagd war um 9 Uhr. Ihrem Leserbrief entnehme ich neben einer guten Portion Niveaulosigkeit auch die Aussage, dass eine Karawane von Pferdeanhängern, alle komplett mit schießwütigen Jägern besetzt, sich zur Jagd aufmachte. Tatsächlich war es meines Wissens ein einziger Pferdeanhänger.

Ich habe nichts gegen Jagdgegner, nur sollte sich auch Frau Seul an die Fakten und an die Wahrheit halten. Ohne dass ihr der Sabber aus den Leftzen läuft. Frau Seul ist mit der Jagd offenbar sehr vertraut. Rehwild wird nicht flüchtig geschossen, also auch nicht, wenn sich Frau Seul voller Selbsteifer mitten auf einen Acker stellt. Ihr sei aber gesagt, dass weder Waschbären noch Hasen oder Füchse eine für Jäger relevante Trophäe tragen.

Was mich aber am meisten an den Zeilen von Frau Seul stört, ist diese Niveaulosigkeit. Da ist die Rede von übergewichtigen Jägern, sie sollten einer Fitnessprüfung unterzogen werden. Selbst unsere all so geliebte Angela Merkel nebst Joachim Gauck mahnen zu Toleranz. Ein Begriff, der Frau Seul fremd zu sein scheint. Was hat das Körpergewicht mit der Ausübung einer Passion zu tun?

Die ganzjährige Bejagung des Rehwildes gibt es im Übrigen nicht, auch wenn das wohl die Fantasie von Frau Seul beflügelt hat. Die Ausdehnung der Jagd auf Rehwild wurde von der rotgrünen Landesregierung beschlossen, wobei der zuständige Minister aus den Reihen der Grünen stammt.

Wir Jäger sollten vielleicht mal für ein Jahr die Jagd einstellen, Frau Seul wäre vermutlich die Erste, die sich beschweren würde. Sollte sie einen Wildunfall mit ihrem Auto erleiden, wünsche ich ihr das richtige Werkzeug an Bord, oder sie streichelt das verletzte Wild zu Tode. So wie das Fleisch, was auf ihrem Teller liegt. Was von Tieren stammt, was entweder zu Tode gestreichelt wurde oder eines natürlichen Todes gestorben ist. Guten Appetit!

Die Anspielung auf das Reichsjagdgesetz verstehe ich als reine Polemik, bindend ist in Niedersachsen das niedersächsische Jagdgesetz. Was die vorrangige Jagd auf Trophäen nicht vorsieht. Richtig ist, dass nach der Jagd auch ein Schnäpschen getrunken wurde, aber nicht vor der Jagd. Frau Seul hätte wohl gesabbert, wie sie es nennt. Eines sei ihr aber gesagt: Ich kenne keinen Jäger, der blutrünstig, mordlustig oder schießwütig ist. Kritik gerne, dann aber bitte fundiert und sachlich.

Jens Platz, Clenze

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