Online: 12.01.2015 - ePaper: 13.01.2015

Windkraft das Arbeitspferd der Energiewende

Betrifft: Artikel "Windstärke gegen Windkraft" (EJZ vom 9. Dezember)

Auch ich bin Natur-, Vogel- und Klimaschützer. Warum halte ich den weiteren Ausbau der Windenergie in der Region trotzdem für notwendig? Zwar haben wir bundesweit inzwischen einen Versorgungsgrad mit Ökostrom von 30 Prozent und bei uns in der Region von mehr als 100 Prozent, aber so lange das alte System aus Kohle und Atom noch immer unsere Gesundheit und das Klima bedrohen, kann mich das nicht beruhigen. Für die weitere Energiewende ist neben starken Einsparbemühungen besonders die Windenergie an Land wirkungsvoll, sie ist das Arbeitspferd der Energiewende. Es wird nicht möglich sein, die Ballungszentren auf ihrer eigenen Fläche mit 100 % erneuerbaren Energien zu versorgen. Genauso wie der ländliche Raum diese Zentren mit Lebensmitteln versorgt, muss dies auch mit erneuerbaren Energien geschehen.

Gerade jetzt, wo E.ON sein Hauptgeschäftsfeld in den Bereich der Erneuerbaren Energien verlegen will, wächst natürlich auch die Gefahr von übergestülpten Großprojekten in unserer Region. Hinzu kommt, dass es scheinbar kein kommunales planerisches Instrumentarium gibt, mit dem bevorzugt kleinere und regional angepasste Energieprojekte begünstigt werden. Das ist leider nur möglich, wenn die Grundeigentümer sich von vornherein zur Selbstorganisation zusammenschließen und verlockende Angebote von außen abwehren.

Zu diesen regional organisierten Projekten zähle ich auch das gräfliche Windprojekt im Gorlebener Forst. Hier ist sowohl eine regionale Bürgerbeteiligung vorgesehen, als auch eine Verbesserung der Kiefernmonokulturen durch Waldumbau. Ich würde mir hierfür einen Runden Tisch mit allen beteiligten Akteuren und Interessengruppen wünschen. Ich finde, hier sollte es möglich sein, zu einer gemeinsamen, ökologisch verträglichen Lösung zu kommen.

Ich halte Windkraftanlagen im Wald nicht für falsch, weil es immer auf den betroffenen Wald ankommt. In vielen Fällen ist der Bau von Windkraftanlagen im Wald aus naturschutzfachlicher Sicht unproblematischer als an Offenlandstandorten. Und im Wald ist die große Höhe der modernen Windkraftanlagen ein Vorteil. Sowohl Vögel als auch Fledermäuse bewegen sich mehr auf Höhe der Baumwipfel als im Bereich der Rotoren. Was ist dran an den Gefahren für Vögel und Fledermäuse? Richtig ist, dass Fledermäuse, wenn sie in die Nähe der Rotorblätter geraten, deren Gefahr mit ihrem Radarsystem nicht erkennen. Daher gibt es zwei Möglichkeiten, um Kollisionen zu vermeiden. Entweder baut man Windräder nicht in den Gebieten, in denen Fledermäuse bevorzugt jagen, oder man versieht sie mit Ultraschall-Schreckern. Bei Vögeln ist die Kollisionsgefahr sehr gering, da sie die Anlagen gut erkennen und umfliegen. Einige Arten meiden den Bereich des Schattenwurfes, weil sie den Flügelschatten für einen Greifvogelschatten halten. Daher werden Windkraftanlagen nicht in den Brut- oder Nahrungsbereichen gefährdeter Sumpf- und Wiesenvögel errichtet.

Dieter Schaarschmidt,

Wustrow

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