Online: 12.01.2015 - ePaper: 13.01.2015

Den heutigen Zeitgeist nicht erkannt?

Betrifft: Leserbriefe: "Ballern, was das Zeug hält" von Andrea Seul (EJZ vom 3. Januar) und "Kritik ja, aber mit Niveau" von Jens Platz (EJZ vom 8. Januar)

Die beiden Leserbriefe habe ich (mit einem Schmunzeln) aufmerksam gelesen. Leserbrief Nr.1: für mich eine Satire (nur Satire kommt nicht bei jedem Leser gut an). Leserbrief Nr. 2: sachlich, nichts hinzuzufügen.

Ich trage nicht den grünen Rock, vergleiche aber hin und wieder die heutige Jägerschaft mit der Passion beziehungsweise dem Beruf meiner Vorfahren. Gedanken mache ich mir, wenn ich Berichte in Presse und Funk über die bezahlte Saujagd in einem eingezäunten Grundstück lese. Dies lässt das heutige Waidwerk nicht in einem guten Licht erscheinen.

Im Landkreis ist mir ein Jäger aufgefallen, der auf der Heckklappe die nachfolgenden Fahrer über seine Passion informiert und welche "Werkzeuge" er benutzt, um das Wild zur Strecke zubringen. Ich bin leidenschaftlicher Pilzsammler, meine Erfahrung mit Jagdpächtern kann man nur als "arrogante Gutsherrenart" bezeichnen.

Übrigens, um Wild bei Dunkelheit aufzubrechen, hat früher das Abblendlicht eines Pkw genügt. Heute benötigt man vier große Scheinwerfer auf dem Dach der Fahrzeuge, um zu jagen. Dies erinnert mich an das Jahr 1945: Die sowjetische Soldateska fuhr mit aufgeblendeten Scheinwerfern zum Jagen durch die Feldmark, nicht aus Passion, sondern aus Hunger!

Vermutlich haben Frau Seul und ich den heutigen Zeitgeist nicht erkannt.

Peter Perdelwitz, Hitzacker

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