Online: 16.01.2015 - ePaper: 17.01.2015

Intransparent und nicht nachvollziehbar

Betrifft: Artikel "Ärger über Rodung an der Elbe" (EJZ vom 2. Januar)

Um Missverständnissen vorzubeugen: Niemand in Vietze ist dagegen, dass die "Verbuschung" in bestimmten Uferbereichen entfernt wird oder an prägnanten Punkten Rückschnitte erfolgen, um eine freie Sicht auf die Elbe zu ermöglichen. Einigkeit besteht auch darin, dass nach dem Hochwasser von 2013 die Anwohner zukünftig besser geschützt werden müssen. Deshalb wurde nach breiter Diskussion mit den Anwohnern beschlossen, dass im bewohnten Uferbereich ein Deich errichtet wird. Ein massiver Eingriff in die Landschaft, der jedoch zum Schutz der betroffenen Anwohner gerechtfertigt ist.

Ganz anders verhält es sich jedoch bei den inzwischen begonnenen Abholzungen von höchst schützenswerten Bäumen in der Elbaue vor Vietze. Dass diese Maßnahmen jetzt ebenfalls mit dem Hochwasserschutz begründet wird, verlangt nach Erklärungen: Schließlich hatten Vertreter der Biosphärenreservatsverwaltung noch im Oktober 2013 erklärt, Rückschnitte im Ortsbereich von Vietze seien nicht geplant, weil von den Bäumen keine Gefährdung für Hochwasserstände ausgehe. Als bekannt wurde, dass nun doch Fällungen geplant sind, haben Anwohner und Besucher von Vietze mit ihrer Unterschrift dagegen protestiert und Aufklärung verlangt, warum nun plötzlich die Abholzung ganzer Auenwälder geplant ist, obwohl bis heute kein schlüssiges Gesamtkonzept zum Hochwasserschutz an der Elbe existiert. Denn genau das ist doch die Lehre, die wir aus all den Jahrhunderthochwassern der vergangenen Jahre zu ziehen haben: Ein nachhaltiger und effizienter Hochwasserschutz verlangt, dass alle in Frage kommenden Maßnahmen (Deichrückverlegungen, neue Polder, Rückschnitte) am gesamten Flussverlauf aufeinander abgestimmt durchgeführt werden. Deshalb fragen wir uns: Was hat das Umweltministerium dazu veranlasst, in Brüssel die Genehmigung einzuholen, in Vietze höchst schützenswerte Silberweiden und Schwarzpappeln zu fällen, während wenige Kilometer entfernt im Deichvorland in Brandenburg Auenwald aufgeforstet wird?

Auf diese und viele weitere Fragen haben die betroffenen Anwohner jedoch auch bei den Begehungen mit Vertretern der zuständigen Behörden keine schlüssigen Antworten erhalten. Auch die vom Sprecher des Ministeriums angeführten Berechnungen, wonach der Rückschnitt eine Senkung des Hochwasserstands von mehreren Zentimetern bewirken wird, was andere Experten durchaus bezweifeln, wurden den Anwohnern bisher nicht erläutert.

Zusammengefasst: Das gesamte Verfahren ist höchst intransparent und für die Anwohner nicht nachvollziehbar, weil das Umweltministerium bisher jeden Nachweis schuldig geblieben ist, dass Einzelmaßnahmen wie die Abholzungen in Vietze einen wirksamen Beitrag für den zukünftigen Hochwasserschutz leisten können.

Anja Kuhr, Vietze

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