Online: 16.01.2015 - ePaper: 17.01.2015

Zweifel an der Beobachtungsgabe

Betrifft: Leserbrief "Ballern, was das Zeug hält" von Andrea Seul, Luckau (EJZ vom 3. Januar)

Normalerweise könnte man über den Leserbrief der Frau Seul aus Luckau nur den Kopf schütteln und die Seite mit dieser Zuschrift dorthin legen, wo sie hingehört - ins Altpapier. Leider strotzt dieses Pamphlet nur so vor Diffamierungen und Unrichtigkeiten, dass es nicht möglich ist, dieses unwidersprochen hinzunehmen.

Mitnichten sind alle Jäger dickbäuchig, dem Alkohol zumindest sehr zugetan oder ständig sabbernd. Ist es nicht vielmehr so, dass die Statur des Durchschnittsjägers dem normalen Erscheinungsbild des deutschen Bundesbürgers entspricht? Gleiches gilt selbstverständlich auch für den weiblichen Teil der jagenden Bevölkerung, der im Übrigen gar nicht so klein ist, wie es in der Leserzuschrift zu suggerieren versucht wird. Das gilt natürlich auch für den vermuteten Alkoholkonsum.

Absolut infam ist jedoch der versteckte Versuch, alle Menschen, die jagen, auf eine Stufe mit Nazis stellen zu wollen. Dagegen muss ich mich als Jäger auf Schärfste verwehren! Richtig ist, dass das Reichsjagdgesetz als Grundlage des Bundesjagdgesetzes in der Zeit der Weimarer Republik entworfen wurde, in dieser Zeit aber aufgrund anderer dringlicherer Probleme nicht weiter behandelt wurde. Die Nazis haben sich dann der Vorlage bemächtigt und schmückten sich somit mit fremden Federn.

Widmen wir uns dem Thema Trophäenjagd, da kommen mir doch erhebliche Zweifel an der Beobachtungsgabe. Welche Trophäen sind wohl gemeint? Männliche Rehe tragen jetzt gar keine Trophäe auf dem Kopf. Der Kopfschmuck wird im November/Dezember abgeworfen und befindet sich in dieser Jahreszeit gerade wieder im Aufbau, somit kann auch keine Trophäenjagd stattgefunden haben.

Die nächste Auffälligkeit ist die Tageszeit, in der die Beobachtungen gemacht worden sind - 7.40 Uhr. Also noch recht früh am Tage. Da geht die Leserbriefschreiberin schon mit ihrem freilaufenden Hund die erste Runde. Gut für ihre Fitness, aber die Rehe werden dadurch täglich bei ihrem Frühstück gestört. Die Jagd verursacht die Störung nur an einem einzigen Tag, Spaziergänger mit Hund jedoch täglich und zudem, wie man lesen konnte, auch noch mehrmals am Tag. Aber vermutlich ist die Verfasserin der Meinung, dass die Rehe das Gebell ihres sicherlich friedensbewegten Hundes als Freundschaftsgruß verstehen und sich nicht stören lassen. Auch ihr bestimmt sportliches Erscheinungsbild deuten die Rehe sicherlich als ungefährlich, haben sie doch gelernt, wie gefährliche Jäger auszusehen haben. Unter diesen Gesichtspunkten ist es abenteuerlich, die Verhaltensänderung des Rehwildes vom tagaktiven hin zum nachtaktiven Wild der Jagd anlasten zu wollen.

Harald Fricke, Dannenberg

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