Online: 16.01.2015 - ePaper: 17.01.2015

Wenn Gutmenschen Tiere töten

Betrifft: Leserbriefe zum Thema Jagd

Der Leserbrief von Frau Seul hat auch den großen Vorsitzenden Michael Urbansky tief ins Jägerherz getroffen. Ausgerechnet ihn, der an das Gute im Menschen glaubt. Was Andrea Seul schreibt, zeuge von einer "Unkenntnis ökologischer und wildbiologischer Zusammenhänge", und er hofft, dass Frau Seul lernfähig ist, schreibt Urbansky. Den Dünkel hat er sich vom Adel abgeschaut, der früher das Jagdprivileg hatte. Frau Seul soll künftig nicht mehr am "Billighühnerbein" herumkauen, sondern seiner Einladung zum Wildessen nach Gartow folgen. Wie gnädig. Dieses jährliche "Festmahl" ist so abartig wie die Trophäenjagd selbst. Die Jäger blasen zur Großjagd, stellen selbstgebastelte Schilder an der Bundesstraße auf: 50 km/h - Treibjagd. Der Rest der Welt interessiert sie nicht. Der Wald gehört ihnen. Das glauben sie jedenfalls. Ihr Hobby ist die Lust am Töten. Einmal im Jahr treffen sie sich, um die Abschussquoten festzulegen. Zu dieser Veranstaltung bitten sie die Jäger, ihre Trophäen mitzubringen.Der Wald ist die Schießbude der Nation (SWR-Fernsehen - Odysso 8. April 2010). Zum Überleben brauchen wir die Jagd nicht mehr. Die Jäger sollten sich einen anderen Zeitvertreib suchen. "Der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren so lange, als man an sie glaubt", schrieb Heinrich Heine. Heute würde er wohl hinzufügen: und die Jägerschaft.

Karl-Heinz List, Prezelle

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