Online: 16.01.2015 - ePaper: 17.01.2015

Warum die Jagd notwendig ist

Betrifft: Leserbrief ",Ballern, was das Zeug hält'" von Andrea Seul (EJZ vom 3. Januar)

Auf welchen Treibjagden hat die Briefschreiberin ihre "Erkenntnisse" gesammelt? Der Text über die "mordgeifernden und sabbernden dickbäuchigen Hobbyjäger" offenbart ein hohes Maß an Unkenntnis vom Sinn der Jagd überhaupt. Deshalb hier einige grundlegenden Informationen:

1. Nicht die "Lust am Töten unschuldiger Tiere", sondern das unmittelbare Erleben der Natur und die Beobachtung von Wildtieren kann zu einer Passion werden, die das Jagen zu einer Freude macht.

2. Die Regulierung des Wildbestandes durch die Jagd ist mit zunehmender Verkehrsdichte notwendig. Durch Verkehrsunfälle erleidet das Wild zumeist mittlere bis schwere innere Verletzungen. Durch die fehlende Schusswunde werden die Tiere oftmals nicht gefunden und verenden kümmerlich. Die konsequente Alternative wäre eine Reduzierung des Straßenverkehrs.

3. Die jagdliche Reduktion der Wilddichte ist auch aus waldbaulichen Gründen unverzichtbar. Holz ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff, den es zu pflegen und zu erhalten gilt. Ein einzelnes Reh kann im Jahr so viel Schaden machen wie eine Herde von 365 Pflanzenfressern an einem Tag.

4. Tiere haben fraglos auch Empfindungen von Schmerzen. Richtig: Bei der Jagd geht es um Töten, das aber möglichst schmerzfrei. Es gibt kein Leben ohne Leid; es kann auch Jagd ohne Leid nicht geben. Ohne Jagd würde das Wild jedoch zunehmend altern, bestenfalls von Raubtieren gefressen, oder es fielen ihm die Zähne aus, und es würde letztlich elendig verhungern.

5. Jäger und Jägerinnen erfüllen einen gesetzlichen Auftrag. Sie sorgen für die Vielfalt und Gesundheit der verschiedenen Wildarten. Sie sichern ihre Lebensgrundlage und fördern die Ziele des Umwelt-, Natur- und Tierschutzes. Jagd ist immer verbunden mit Hege, mit der Pflege und Erhaltung der Wildes. Wild wird nicht nur von Jäger und Jägerinnen geschossen, sondern auch geschützt, geschont und in Notzeiten versorgt. Damit ermöglichen sie dem Wild im Unterschied zur Stallhaltung gezüchteter Tiere ein artgerechtes Leben in Freiheit.

6. Wild liegt im gastronomischen Trend. Es ist ohne Etikettenschwindel "echtes Biofleisch" und damit einfach gesund. Durch die natürliche Ernährung ist es reich an Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen. Ohne uns€er Zutun kann es aber nicht auf den Teller kommen.

7. Jäger und Jägerinnen schießen in Deutschland jedes Jahr etwa zehn Millionen Wildtiere. Katzen fressen laut NABU jedes Jahr etwa 200 Millionen Singvögel. Das Wild, das zum Verzehr geschossen wird, macht also etwa fünf Prozent der getöteten Singvögel aus. Wollen wir deshalb alle Katzen abschaffen?

Christoph von Truchseß,

Gartow

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