Online: 23.01.2015 - ePaper: 24.01.2015

An Realität vorbei

Betrifft: Leserbrief "Ballern, was das Zeug hält" von Andrea Seul, Luckau (EJZ vom 3. Januar)

Frau Andrea Seul hat hier eine unglückliche Wortwahl getroffen, die der guten Sache nicht genutzt und eher geschadet hat. Aber in jeder Karikatur steckt im Kern Wahrheit.

Der Darstellung von Herrn Urbansky aus der EJZ vom 13. Januar kann ich mit meinen Erfahrungen nicht folgen, sie sind das Ergebnis einer abgehobenen Leitungsfunktion.

Ich bin ein morgendlicher Jogger (Waldläufer), der sich auf seinem Zehn-Kilometer-Rundkurs exakt an die Wald-/Forstwege hält. Mehrmals bin ich in übler Weise von Jägern, die mit ihren SUVs den Sandboden aufwühlten, aufgefordert worden, mit meinem morgendlichen Lauf nicht das Wild aufzuschrecken. Mit der Waffe wurde ich bereits einmal bedroht (das Fahrzeugkennzeichen liegt mir vor), und meinem Hund hat man mehrmals angedroht, obwohl bei Fuß gehend, ihn abzuschießen.

Ein Hochsitz in meinem Umfeld wurde erneuert, das alte Modell abgerissen, und seit Jahren liegen die alten Baustoffe in der Natur herum. Ein weiterer Hochsitz ist ebenfalls eingestürzt, und das aufgegebene Material verschandelt den Wald. Beim nächsten Hochsitz finden sich leere Bierdosen und Essensreste, beim vierten Hochsitz sind in etwa 20 Meter Entfernung Rüben aufgeschichtet, wobei ich einen nicht artgerechten Abschussort vermute. Nach meinen Recherchen besteht für die Jäger auch keine Verpflichtung, ihre Kompetenz zum sicheren Waffenführen im Verlaufe ihres Jägerlebens jemals wieder unter Beweis zu stellen. Das wäre ein Beitrag, der auch in der kritischen Öffentlichkeit gut ankäme und etwas Vertrauen herstellen könnte.

Die von Herrn Urbansky dargestellte heile Jägerwelt halte ich - genau wie die Darstellung von Frau Seul - für weit an der Realität vorbeiargumentiert.

Volker Müller, Sallahn

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