Online: 23.01.2015 - ePaper: 24.01.2015

Der Mensch als Bestie

Betrifft: Leserbrief "Jagdgesetze werden ignoriert" von Dr. Ulrike von Guretzky, Laase (EJZ vom 19. Januar)

Angesichts der Schilderung im Leserbrief von Frau Dr. Ulrike von Guretzky über ein von Jägern veranstaltetes Gemetzel an einem Rudel Hirsche bin ich nur noch entsetzt über ein solches Gräuel. Es ließe sich wieder einmal trefflich über die dunklen Seiten im Menschen philosophieren. Das hemmungslose Treiben der Jäger, die ihren Aggressionen freien Lauf lassen, sich über das Tier erheben und diesem schwere Leiden zufügen, zeigt doch wieder einmal, wie viel ein Tierleben wert ist. Man trifft solches Verhalten leider sehr oft an. Tiere, die keinen materiellen Nutzen für den Menschen haben, sind von vornherein Ungeziefer, das es auszumerzen gilt, sei es mit den brutalsten Methoden.

Selbst Tiere, die dem Menschen einen materiellen Vorteil bringen, haben kein Recht auf ein würdiges Leben und Sterben. Da wird davon geschwärmt, wie wertvoll ein Stück Wildfleisch ist, ein Tier, das in freier Natur aufwächst - aber wehe, wenn es solchen Jägern wie oben begegnet. Da wird in immer öfter aufeinander folgenden Artikeln in der EJZ von besorgten Jägern die Gefahr des Wolfes heraufbeschworen, dieser blutrünstigen Bestie. Hä? Worin, bitteschön, unterscheiden sich obige Killer von blutrünstigen Bestien? Überhaupt nicht: So sehen Bestien aus, denn es handelt sich um Menschen, die eigentlich nicht nur ihrem Instinkt folgen, weil sie Hunger haben und etwas zu fressen suchen, sondern für sich beanspruchen, ein höherstehendes, denkendes Wesen zu sein, die Krone der Schöpfung. Danke vielmals. Ein auswärtiger Jäger, der Hundebesitzer beispielsweise darüber aufklärt, dass es für ein Reh nichts Schlimmeres als einen Hund oder Wolf gibt, vergaß den Jäger zu erwähnen.

Je öfter ich mich mit anderen Menschen über das Thema Jagd unterhalte, umso öfter kann jemand ähnliche Geschichten beisteuern, zum Beispiel, dass zwei Jäger sich lachend darüber ausgelassen hätten, wie weit ein angeschossenes Wildschwein, das sie zwischen ihren beiden Hochsitzen hin und her schossen, noch laufen könne. Erziehen solche Typen eigentlich Kinder? Oder ein Jäger, der erzählte, dass er überlegte, eine Luchsin, deren Junge in der Nähe waren, wegputzen zu wollen. "Na ja", habe er abschließend bemerkt, "ich habe sie dann laufen lassen." Wie entlarvend allein die Sprache. Die Abschießer des Gedelitzer Wolfes werden als dumm bezeichnet, weil sie den Wolf auf die Strecke legten. Vielmehr wird empfohlen, "tief zu vergraben".

Ja, all dies sind sogenannte Heger und Pfleger, die die Natur lieben. Ich liebe die Natur auch, am liebsten, wenn kein Geballere zu unterschiedlichen Tageszeiten die Ruhe stört. Wie gerne würde ich ein Rudel majestätischer Hirsche, das eine Treibjagd überlebt hat, bewundern. Apropos: Paragraf 22a des niedersächsischen Jagdgesetzes schreibt die Verhinderung von vermeidbaren Schmerzen oder Leiden des Wildes vor.

Gisela Rehwald, Trebel

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