Online: 23.01.2015 - ePaper: 24.01.2015

"Polemik ist ein legales Stilmittel"

Betrifft: Leserbriefe zum Thema Jagd

Zunächst möchte ich mich für die vielen Reaktionen auf meinen Leserbrief "Ballern, was das Zeug hält" vom 3. Januar bedanken. Die Kommentare haben mir viele heitere, amüsante und bewegte Momente geschenkt und mich darin bestätigt, dass das geschriebene Wort eben doch noch Gemüter bewegen kann - trotz weit verbreiteter Lethargie in unserem Wohlstandsstaat.

Bedanken möchte ich mich auch bei dem anonymen Anrufer, der "mir mal zeigen wird, wo der Hammer hängt". Zweifelsohne gehört er der Gruppe der untergewichtigen, Entschuldigung, der unterbelichteten Mitbürger an. Beunruhigt hat mich das nicht. Freie Meinungsäußerung ist mitunter das wichtigste Gut. Ich stimme da gerne einmal das Lied an "Die Gedanken sind frei...", der Rest ist wohl bekannt.

Um eine eigene Meinung zu bilden und sie zu artikulieren, bedarf es nicht unbedingt fundierten Fachwissens. Wenn das so wäre, dann würde wohl mehr oder weniger Schweigen auf der Erde herrschen. Eine ganz angenehme Vorstellung eigentlich. Nichtsdestotrotz gehe ich mit offenen Augen durch die Welt, und wenn mir etwas missfällt, dann äußere ich das. Dieses Recht steht uns allen zu, und das ist gut so.

Meinen Leserbrief habe ich, wie Herr Platz ganz richtig feststellte, polemisch verfasst. Polemik ist ein legales Stilmittel. Scharf, unsachlich, rücksichtslos, feindselig sollte es sein. Ich suchte und suche keine Einigung (deshalb bedarf es für mich auch keines Gesprächs mit irgendeinem Jagdpächter oder dem gemeinsamen Verzehr von Wildsauen), sondern die Provokation. Warum? Nun, die Welle der Reaktionen gibt Antwort: Anscheinend schafft es oft nur die Satire, das Überspitzte, die Polemik, etwas loszutreten. Ich war mir durchaus bewusst, dass diese Art der Schreibe auch ausschweifende bis unangenehme Konsequenzen haben kann. Aber das war und ist mir Wurst (als Vegetarierin kann ich das ganz besonders betonen). Wesentlicher ist doch, dass sich etwas bewegt hat.

Wäre das mit einem "Ich-hab-euch-ja-doch-alle-irgendwie-lieb"-Leserbrief möglich gewesen? Ich denke nicht. Deshalb noch einmal meinen Dank an alle, die sich Zeit genommen haben, ihre Meinung niederzuschreiben, und zwar unabhängig davon ob pro oder contra Jagd.

Da es augenscheinlich doch so manch einen/eine ins Mark getroffen hat, noch eine Anmerkung zur Übergewichtigkeit: Das Körpergewicht des Jagdmannes beeinflusst meine negierende Einstellung zur Jagd nicht. Schaut man sich allerdings einmal Karikaturen von Jägern an, bietet sich in aller Regel das Bild des wohl beleibten Waidmannes an. Auch dies ist Polemik. Für mich gilt: Nicht nur die Meinungsbildung und -äußerung liegen in der Eigenverantwortung, sondern schlussendlich auch der eigene BMI. In der Schweinemast sieht das ja leider anders aus. Aber gut, das ist ein anderes Feld. Ich denke da an "Hormone spritzen bis die Schwarte kracht." Wie wär's?

Andrea Seul, Luckau

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