Online: 23.01.2015 - ePaper: 24.01.2015

Warum sind nicht alle Lehrer?

Betrifft: Leserbrief "Viel Freizeit" von Klaus Grothe, Schnega, (EJZ vom 20. Dezember) und Kommentar "Setzen, sechs!" von Benjamin Piel (EJZ vom 6. Dezember)

Wir Lehrer scheinen wirklich "faule Säcke" zu sein. Wir arbeiten nur die Hälfte des Jahres. Und in dieser Zeit machen wir auch noch eine Woche Urlaub mit einer Klasse auf Klassenfahrt. Da wir eingesehen haben, dass diese zusätzliche Woche das Fass des Ärgernisses zum Überlaufen bringen könnte, verzichten wir auf diese Fahrten und arbeiten lieber ordentlich in der Schule.

Jedes Wochenende haben wir Freizeit. Wunderbar! Das liegt daran, dass zu korrigierende Klassenarbeiten in der Regel in einer halben Stunde während der Woche durchgesehen und benotet sind. Warum sollte man bei 26 Schüler/innen auch viel mehr als eine Minute zur Korrektur vergeuden? Gerade in den sprachlichen Fächern ist dies ja mit Leichtigkeit zu bewältigen. Vorbereiten braucht man seinen Unterricht als routinierter Lehrer eigentlich auch nicht. Die Lerngruppen haben sich mit ihrem sozialen Hintergrund seit Jahren nicht verändert, die Themen, gerade im Fach Politik, sowieso nicht.

Die manchmal notwendigen Elterngespräche kann man vormittags während des Unterrichtes erledigen. Die Schüler/innen bearbeiten in der Zeit Buch Seite sowieso, Nummer sowieso. Fortbildung? Wozu? Haben wir doch gar nicht nötig. Nicht einmal die Abituraufgaben müssen wir uns selbst ausdenken. Und auch die versprochene Altersermäßigung ab 60 Jahre um zwei Stunden pro Woche (die ja wieder zurückgenommen wurde) ist doch Quatsch. Wir sind doch fit wie ein Turnschuh! Wieso der Krankenstand dann doch so hoch ist, ist irgendwie rätselhaft. Wir haben doch ein herrliches, stressfreies Berufsleben. Warum wählen diesen Beruf nicht alle?

Martina Wittgen, Bösel

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