Online: 29.01.2015 - ePaper: 30.01.2015

Revolutionäre und Reformer

Betrifft: Leserbrief "Sozen beenden die Ausbeutung endgültig" von Kurt Herzog, Dannenberg (EJZ vom 8. Januar")

Da ist sie also wieder, die ewig besserwisserische Arroganz der sogenannten Revolutionäre, die nur mit Verachtung schauen können auf die grenzenlos naiven, typisch sozialdemokratischen (so die Wortwahl von Herrn Herzog) "Reformer". Das erinnert mich sehr an meine Studentenzeit um 1965, als Sprüche wie "Aus den Ruinen wächst das Grün" oder "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" (schöne Grüße übrigens von den Ermordeten in Paris) die Runde machten. Und die historischen Entwicklungen in der Sowjetunion und China wurden verherrlicht. Die Ernüchterung kam bald, kein Funke sprang über, und die "68er" machten sich schließlich auf den "Langen Marsch durch die Institutionen" und veränderten auch die Gesellschaft - real!

Ich jedenfalls habe mich damals (1965) für den Eintritt in die SPD entschieden, denn Bürger sollen sich engagieren. Natürlich hat es bei dieser "Ehe" viele Krisen gegeben, zuletzt bei der Bildung der Großen Koalition. Aber akzeptable Alternativen zur SPD hat es für mich nie gegeben, auch nicht bei der Partei des Herrn Herzog, zu viel undurchdachte Effekthascherei. Und traurig war ich oft, dass Programme der SPD von den Wählern nicht akzeptiert wurden, zum Beispiel die Bürgerversicherung. Und noch trauriger war ich, dass es der SPD nicht gelang, neue Strömungen (Grüne, SED) zu integrieren, sodass man sich im linken Spektrum heute fast mehr bekämpft als den gemeinsamen Gegner (vergleiche Leserbrief von Herrn Herzog). Aber trotzdem, im Vergleich zu den jeweiligen Alternativen habe ich die Entscheidung nie bereut - bis heute nicht.

Dr. Karl-Heinz Jastram,

Hitzacker

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