Online: 29.01.2015 - ePaper: 30.01.2015

Waffenverkauf stoppen und Fliehenden eine Hilfe geben

Betrifft: Terror in Paris

Zwölf Tote bei einem Überfall eines Al-Qaida-Kommandos in Paris, und die westliche Welt steht Kopf. 40 Tote bei einem Drohnenangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft, 65 Menschen durch Killerdrohnen aus der Luft in Jemen ermorden. Am Samstag waren es zehn Menschen und am Sonntag und Montag 55 Menschen, einfach so mit Luft-Bodenraketen weggeblasen, seit August 2008 wurden dabei allein in Pakistan insgesamt mehr als 2000 Menschen getötet - kaum eine Meldung, Achselzucken, Kollateralschaden, und diese Angriffe auf Zivlisten finden jeden Tag zu Tausenden sowohl von IS als auch den Truppen der westlichen Allianzen statt, aber eben bisher nicht bei uns. Jeder Tote ist einer zu viel. Hier aber auch in Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan und so weiter.

Die Anschläge von Paris können nicht aus dem Kontext einer Weltordnung gelöst werden, in der sich die islamisch geprägten Staaten - ebenso wie die Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas - seit Jahrhunderten andauernden kriegerischen Aggressionen, kolonialer Unterwerfung, willkürlicher Aufteilung und Ausplünderung durch westliche Großmächte ausgesetzt sehen. Asymmetrische Kriege, in denen sich die Schwachen oft genug terroristischer Mittel bedienen, sind die Folge.

Wer um die Toten von Paris trauert, sollte sich zudem bewusst sein, dass die heutigen dschihadistischen Strömungen zu einem Großteil ein Produkt westlicher Politik gegenüber der islamischen Welt sind. Der militante Dschihadismus, aus dem sich sowohl die Taliban als auch Al-Qaida und der "Islamische Staat" entwickelten, wurde bereits in den 80er-Jahren in Afghanistan von den USA als Gegengewicht gegen die dortige Linksregierung gefördert, finanziert und bewaffnet. Mit der durch westliche Kriegsallianzen betriebenen Zerschlagung der Staaten im Irak, in Libyen und aktuell in Syrien wurde die Büchse der Pandora geöffnet. Dschihadistische Gruppen drangen in das so entstandene Machtvakuum. Gruppen wie der "Islamische Staat" und die Al-Nusra-Front gelangten durch die von den USA, der EU, der Türkei und den Golfmonarchien betriebene Hochrüstung der gegen die syrische Regierung kämpfenden Verbände in den Besitz modernster Waffen. Die Infrastruktur dieser Länder wird zerbombt, sowohl von IS als auch dem Westen, und nimmt den Menschen ihre Existenzen und Hoffnung. Und wenn die Menschen dann irgendwo eine neue Zuflucht und Existenz suchen, lassen wir sie im Mittelmeer (40000 Menschen seit 2008) ersaufen (dafür rüsten wir Frontex mit Extramillionen aus) und werfen dann den Fluchthelfern Grausamkeit vor. Frontex bricht alle Regeln der Seenothilfe. Wer grenzt denn hier Tausende von Zugewanderten aus und gibt ihnen keine Chance auf Arbeit und Integration? Wer ist denn grausamer? Wenn das gegenseitige Morden gestoppt werden soll, kann man nur hier anfangen. Wir müssen hier die Regierungen zwingen, den Waffenverkauf zu stoppen und den Fliehenden eine Hilfe geben - siehe auch http://zufluchtwendland.de/.

Hans-Erich Sauerteig,

Meuchefitz

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