Online: 29.01.2015 - ePaper: 30.01.2015

Dorfschule Zukunft des ländlichen Raumes

Betrifft: Artikel "Bleiben nur vier?", Grundschullandschaft in der SG Lüchow (EJZ vom 6. Dezember)

Über der Bildunterschrift "Auch die GS in Plate gehört zu den Grundschulen in der SG Lüchow, denen keine lange Zukunft mehr vorausgesagt wird" prangt dreispaltig das Bild eben dieser Grundschule Plate. Wieder und wieder einmal das Bild der GS Plate. Um eine ergebnisoffene Diskussion und Meinungsbildung anzuschieben, wäre es zwingend erforderlich gewesen, keine oder eben alle GS abzubilden.

Wenn Ratsmitglieder bereits vor und während dieses "entscheidungsoffenen" Prozesses kundtun, welche "Kandidaten" (alle) sie im kommenden Jahr schließen werden, dann tut dies ein Übriges und ist ein Schlag wie mit dem nassen Lappen ins Gesicht der Bürger der betroffenen GS, der Eltern, die ihre Kinder in diese Schulen schicken möchten sowie gegen den Grundgedanken der Demokratie im Allgemeinen. Gerade nach Bergen und Schnega kann es nicht um ein "Weiter so, die anderen GS machen wir auch platt" gehen.

Da an dieser Stelle aber keine Vorverurteilungen unternommen werden sollen, ist dieser Leserbrief als Appell an alle beteiligten Seiten zu verstehen, die gebotene Neutralität zu wahren und nicht voreilig stereotype Bilder zu manifestieren, die dann später schön einfach durchzusetzen sind. Oder wie es die Uni Heidelberg 2006 formulierte: "Die mediale Realität verfügt über ihre eigenen Gesetze. Bilder und Fotos entfalten ihre eigene Dynamik mit unvorhersehbaren Folgen - je nachdem, auf welches Publikum sie stoßen. Vor diesem Hintergrund ist es eine wichtige Herausforderung für die Zeitgeschichte, Medienkompetenz bei den Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln und zu stärken." Ein Schelm also, wer Böses dabei denkt.

Nachdem in den vergangenen Jahren ein deutlich zweistelliger Millionenbetrag in die Schulen in Lüchow und Clenze und Schweskau investiert worden ist, erscheint es auch zunehmend zynisch, von Sparzwang zu reden. Zumal in den vergangenen zehn Jahren ein Paradigmenwechsel bezüglich der Bedeutung des ländlichen Raumes für die Gesellschaft vollzogen wurde. Dorfschule ist die Zukunft des ländlichen Raumes! Die EU fördert nun insbesondere Projekte auf dem Lande. Viele der alten Flächenbundesländer haben bereits umgeschwenkt. Dorfschule ist Standortfaktor. Nach dem Sterben der Dorfgastronomie sind Schul- und Kirchenschließungen die nächsten Bausteine zur Entvölkerung der Dörfer. Durch unnötige Fahrt- und Wartezeiten beschneidet man die immer weniger werdende Freizeit der Kinder und entzieht (noch) intakten Vereinen die Grundlage.

Alles nicht stimmig, mit einer UNESCO-Welterbe Bewerbung, in der es insbesondere "nicht um Museen, sondern lebendige Dörfer" geht! Es geht hier vor allem um die Wertschätzung von Familie, die für unseren Landkreis essentiell ist und deren Wünsche und Bedürfnisse gehört werden wollen. Vielfältiges Landleben findet in den Dörfern statt. Nicht im Schulbus.

Sebastian Ludwig, Plate

Schulelternratsvorsitzender

^ Seitenanfang