Online: 30.01.2015 - ePaper: 31.01.2015

Nicht feudal, sondern notwendig

Betrifft: Jagd

Ich bin kein Jäger, sondern Bauer und Waldbauer, und als solcher möchte ich Folgendes anmerken: Es gibt unter Jägern - wie anderswo auch - solche und solche. Daher ein Pauschalurteil bezüglich der Jägerschaft vorzunehmen, wäre absurd. Die Jagd ist keineswegs feudal oder Herrenmensch-Getue, sondern notwendig. Wo Wild nicht oder nur unzureichend bejagt wird, stellen sich Wildkrankheiten ein, und die Wildschäden würden überhand nehmen.

Mit Recht wird kein Bauer stillschweigen, wenn Sauen in Getreide oder Raps ihr Unwesen treiben und erhebliche Schäden verursachen. Wo große Kessel oder Lagerflächen von Sauen angelegt wurden, müssen diese bei der Ernte ausgespart werden, um keine Schäden an der Erntemaschine zu riskieren. Der Schaden kann erheblich sein und wird selten angemessen vergütet. Ebenso ist es bei den Hackfrüchten, weniger durch das, was das Wild frisst, vielmehr durch die Früchte, die um- oder ausgewühlt wurden und den Einsatz der Erntemaschinen erheblich erschweren. Auch dieser Mehraufwand durch Wildschäden wird kaum zu ersetzen sein.

Wenn Rot- oder Damwild in Jungkulturen oder Stangengehölzern Quartier bezogen hat, wird es auch hier bei überhöhter Wilddichte zu Schäden in nicht geringem Umfang kommen. Besonders Laubholz sowie Fichten- und Douglasienkulturen sind gefährdet. Jeder, der mit Wildschäden zu tun hat, wird nicht Hurra, sondern "Sloah de Diertens dood" rufen, wenn er die Schäden sieht. An Wildschutzzäune gewöhnt sich das Wild recht schnell. Weniger schnell gewöhnt es sich an Naturliebhaber, die quer durch den Wald spazieren und das Wild in ihren Tageseinständen aufschrecken.

Es gibt gute Argumente für und einige wenige gegen die Jagd. Was soll's, das Thema Jagd dürfte sich in etwa 25 Jahren von selbst erledigt haben, nämlich dann, wenn der Wolf hier heimisch geworden ist und das Wild erlegt. Ob die Naturliebhaber sich dann auch noch in Wald und Feldmark trauen, oder ob sie dann ebenfalls "sloah dood" rufen und von dem verpönten Jäger den Abschuss von Isegrimm fordern, bleibt abzuwarten.

Annegret Warnecke,

Vaddensen

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