Online: 30.01.2015 - ePaper: 31.01.2015

"Multiple Inkompetenz"

Betrifft: Artikel "Zerwürfnis führt zum Rücktritt" (EJZ vom 6. Januar)

Dr. von Welcks Rücktritt vom Vorsitz des Wendländischen Geschichts- und Altertumsvereins offenbart eine multiple Inkompetenz der Verwaltung der Stadt Lüchow: Dass der Antrag auf Fördermittel für das Amtsturm-Museum - entgegen der Vereinbarung vom Februar 2014 - vonseiten der Verwaltung ohne Absprache mit dem Geschichtsverein formuliert und beim Ministerium in Hannover eingereicht wurde, war möglicherweise als eine Art vorgezogene Weihnachtsüberraschung gedacht. Das Ministerium lehnte den Antrag jedoch ab. Stadtdirektor Schwedland hält die (möglicherweise hilfreiche) Begründung des Ministeriums unter Verschluss. Dr. von Welck formuliert daraufhin die vom Ministerium erbetene Nachbesserung des Antrags, der daraufhin vom Ministerium im Oktober 2014 positiv beschieden wird. Es geht um 140000 Euro. Für die Verwendung der Mittel setzt das Ministerium wie üblich eine Frist: März 2015. Diese wäre ohne Schwierigkeiten einhaltbar gewesen, wenn die Stadtverwaltung mit dem Wendländischen Geschichtsverein zusammenarbeiten würde. Dr. von Welck bittet Herrn Schwedland beziehungsweise dessen Vertreter in jenen Wochen zweimal um einen Gesprächstermin, und er kündigt dabei auch seine Rücktrittsabsicht an: Sollte kein Gespräch zustande kommen, werde er als Vorsitzender des WGAV gehen. Die Stadtverwaltung schweigt und zieht den bereits bewilligten Antrag Ende November zurück, Herr von Welck wird darüber nachträglich informiert.

Nun ist Interesse an Kultur und Wissenschaft nicht jedermanns Sache. Es mag sein, dass der hervorragende Ruf eines Geschichtsforschers, dass das Aufblühen historischen Interesses und Engagements in der Region einer kritischen Zahl von Verwaltungsbeamten schlicht wurscht ist. Damit müssen wir leben. Aber die Kompetenzen des Anträge-Schreibens und der zielgerichteten Kommunikation sind gerade für die Verwaltung wichtig und erlernbar. Man möchte Herrn Schwedland und seiner Entourage die Teilnahme an einem der einschlägigen Fortbildungskurse wünschen, die für das Verwaltungswesen angeboten werden. Ich selbst hätte nach dem Bericht in der EJZ vom 6. Januar eine Stellungnahme seitens der Verwaltung erwartet und frage mich, ob ich es überraschend finden soll, dass da nichts kommt.

Prof. Dr. Paul Helmut

Schreier, Gusborn

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