Online: 02.02.2015 - ePaper: 03.02.2015

Polemik ist nicht immer Satire

Betrifft: Leserbrief "Polemik ist ein legales Stilmittel" von Andrea Seul, Luckau (EJZ vom 24. Januar)

Seit einigen Wochen kann man in der EJZ bei einem regen Meinungsaustausch per Leserbrief zum Thema Jagd mitlesen. Auffällig ist der in weiten Teilen sehr grobe Ton der Jagdgegner, dem ein zumeist sehr sachlicher Ton der Jagdfreunde entgegen steht. Mit einem Leserbrief am 24. Januar hat sich die Urheberin der Diskussion nun erneut geäußert.

Frau Seuls Art der Schreibe, angesichts der vier Tage nach der Veröffentlichung des ersten Leserbriefs geschehenen schrecklichen Pariser Ereignisse, auch nur in die Nähe von Satire oder Karikatur stellen zu wollen, ist in meinen Augen höchst pietätlos. Ihr und viele folgende Leserbriefe zu dem Thema waren beleidigend, höhnisch, feindselig und ohne Niveau - eben polemisch. Aber nicht jede, die polemisiert, ist auch automatisch eine Satirikerin.

In einem Punkt ihres zweiten Leserbriefs muss ich Frau Seul aber Recht geben: Zur Bildung und Artikulierung einer eigenen Meinung ist kein fundiertes Fachwissen nötig. Aber ein gewisses Maß an themenbezogenem Allgemeinwissen wäre von Vorteil, so hätte sie gewusst, dass zu der Zeit der von ihr beschriebenen "Trophäenjagd" sich keines der Tiere als Trophäe eignete, Böcke und Hirsche tragen noch keinen Kopfschmuck. Weiterhin scheint sie ihren Hund im Wald nur anzuleinen, wenn sie Schüsse hört - ein sehr fahrlässiges Verhalten gegenüber den von ihr so bedauerten Rehen, denn diese können zwischen Hund und Wolf leider schlecht unterscheiden und flüchten unter Umständen, auch ohne Jäger gehetzt, mit Tötungsstress in den Augen, in Panik, orientierungslos aus dem Wald (wer im letzten Satz ein wenig Ironie und Sarkasmus entdeckt hat, ist auf der richtigen Spur).

Ich möchte noch zu einem Punkt kommen, der in den bisherigen Leserbriefen zum Thema nur am Rande berührt wurde: Jägerinnen (!) und Jäger produzieren hochwertigste Nahrungsmittel. Ein waidgerecht erlegtes Stück Wild lebte bis zu seinem schnellen Ende in seiner vertrauten Umgebung und hörte nicht einmal mehr den Knall des Schusses, ganz im Gegensatz zu konventionell erzeugten Tieren, die auf dem Weg zur Schlachtbank Stresshormone produzieren und im schlimmsten Fall, mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt, qualvoll verenden. Darum verspeise ich selbst zubereitetes Wildbret jeder Art mit Genuss und dem ruhigen Gewissen, mich gesund zu ernähren, denn ich weiß genau, wo dieses Tier lebte und unter welchen Umständen es den Weg auf meinen Teller fand. Dies können nur wenige von ihrem Schnitzel behaupten, egal ob es vom Schwein oder Tofu stammt.

Um Irrtümer zu vermeiden, möchte ich darauf hinweisen, dass dies ein Genussmensch ohne Jagdschein schreibt, ich habe das Glück, Freunde zu haben, die ihrer Jagdpassion sehr verantwortungsvoll nachgehen. Tierlose Küche ist mir deswegen aber nicht fremd, ich erinnere mich gerne an ein vierstündiges, veganes Menü mit zehn leckeren Gängen - und es war kein Tofu-Schnitzel und keine Seitan-Bulette dabei.

Holger Voß, Gorleben

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