Online: 02.02.2015 - ePaper: 03.02.2015

Gefühle missachtet

Betrifft: Anschlag auf "Charlie Hebdo"

Die Herausgeber des Magazins "Charlie Hebdo" waren trotz ernsthafter Warnungen und der Zerstörung ihrer Redaktion offensichtlich unbelehrbar. Ob aus reiner Profilierungssucht oder Starrsinn oder beidem ist heute nur noch Spekulation. Fest steht nur, dass sie tabulos und rücksichtslos unter Missachtung der Menschenrechte, welche mit Sicherheit auch in der französischen Verfassung garantiert sind, ihre Karikaturen verbreitet haben. Leider trifft auch die Justiz in Frankreich zumindest eine Mitschuld an der Tragödie, weil sie die Pressefreiheit über die Menschenwürde setzte, indem sie alle Klagen abwies.

In unserem Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 2, steht ausdrücklich: "Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre." Die Schranke der persönlichen Ehre wurde offenbar übersehen mit katastrophalen Folgen für eine ganze Nation.

Ich wünsche mir, dass die Justiz bei ähnlichen Vorfällen die Augenbinde rechtzeitig entfernt, um solche Tragödien rechtzeitig zu verhindern. Wie krank sind Teile der Gesellschaft, die es offenbar nötig haben, sich auf Kosten anderer zu amüsieren? Dabei ein Magazin unterstützen, dessen Zweck und Ziel es ist, respektlos Ehre und Gefühle anderer Menschen herabzusetzen. Ein Rechtsgelehrter der Antike stellte Folgendes fest: Das stärkste Recht ist zugleich das stärkste Unrecht, denn wer auf seinem Recht besteht, schränkt damit automatisch das Recht anderer ein. Darüber lohnt es sich nachzudenken.

Reiner Gutt, Gorleben

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