Online: 06.02.2015 - ePaper: 07.02.2015

Spirale der Gewalt muss beendet werden

Betrifft: Morde in Paris, Pegida und Anti-Pegida in Lüchow

Nach den noch nicht aufgeklärten Morden an den Charlie Hebdo-Redakteuren stand sofort als Ursache religiöser Fanatismus in Form der "radikalen Islamisten" fest. Es kam schnell zu einer politischen Vereinnahmung der Toten. Auch die islamfeindlichen Pegida-Ansammlungen nutzen die Morde für ihren Anti-Islamismus aus. Überall wird nun zum Schutz vor "den terroristischen Islamisten" am weiteren Ausbau der Überwachung der ganzen Bevölkerung gearbeitet.

Die eigentlichen Ursachen des Terrors werden verschleiert oder schlicht "vergessen". Der hausgemachte Fanatismus wird geflissentlich übersehen: der altbekannte latente "Rassismus der Mitte". Benutzt und geschürt wird er nicht nur von Neo-Nazis wie bei Pegida. Auch Mitglieder der "Elite unserer Gesellschaft" spielen eine böse Rolle. Beispielhaft der ehemalige Bundesbank-Vorstand Sarrazin (SPD), dessen islamfeindliches und rassistisches Machwerk, protegiert von Spiegel und Bild, Millionenauflagen erlebte.

Liegen nicht die Wurzeln all der Konflikte in dem Terror, den die USA, unterstützt durch ihre Nato-Verbündeten, im Namen des "Kampfes gegen den Terror" ausüben? Gegen Länder wie den Irak und zahllose andere Länder? Mit dem Ergebnis unglaublicher Zerstörungen und hundertausender von Toten, Verletzen und Gefolterten? Es sind hauptsächlich islamisch dominierte Länder. Liegen hier nicht die Gründe für den Hass? Hass, der entsteht, wenn ganze Familien auf einer Hochzeitsfeier durch mit deutscher Unterstützung eingesetzter Drohnen zerfetzt werden. Diese Militäreinsätze werden im Namen westlicher Werte veranlasst. Finanziell und politisch erfahren feudale Diktaturen wie Saudi Arabien oder Katar Unterstützung (Weils Fahrt nach Katar). Sie fördern mit Geld oder Waffen den Terror zwischen verschiedenen Ethnien und Religionsströmungen.

Vor diesem Hintergrund ist die Anwesenheit all der Merkels, Netanjahus und Poroschenkos in Paris pure Heuchelei. Die Millionen Demonstranten gingen für die Freiheit der Meinungen, der Presse und der Kunst, für ein friedliches Nebeneinander der Religionen auf die Straße. Militäreinsätze zum Schutz von geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen werden gegen den Willen der großen Mehrheit der Bevölkerung durchgeführt. Die lehnt den Krieg als Mittel der Politik ab. Diese fortgesetzte Barbarei führt nicht nur zu Toten und Traumatisierten. Sie importiert den selbst ausgeübten Terror und die selbst produzierten Flüchtlinge ins eigene Land!

Die Anti-Pegida-Aktiven in Lüchow verdienen bei ihrem Eintreten für die Opfer der imperialen Kriege noch mehr Unterstützung zu erfahren. Beim Einsatz für die Opfer sollten die Täter nicht vergessen werden. Es gilt zu helfen und gleichzeitig gegen die wirtschaftlichen und militärischen Wurzeln dieser Tragödien anzugehen. Die Spirale der Gewalt durch Krieg und Terror muss beendet werden. Eine andere, friedliche Welt ist nötiger denn je.

Dr. Klaus Reizig, Köhlen

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