Online: 23.02.2015 - ePaper: 24.02.2015

Bahntrasse bringt dem Landkreis keine Vorteile

Betreff: Artikel "Ja zu moderatem Güterverkehr" (EJZ vom 12. Februar)

Ich bin befangen. So wie Hunderte, die an der Bahnstrecke wohnen. Und die alle den Wunsch haben, den Wahnsinn, der da geplant ist, zu verhindern. Auch wenn manche die Augen vor der Realität verschließen: Die geplante Trasse hat nur Nachteile für den Landkreis.

Fast ist es schon rührend, wenn man liest, wie blauäugig die CDU-Abgeordneten im Verkehrsausschuss des Kreistages an die Sache herangehen. "Sehr interessant für Wirtschaft und Tourismus", "für die Pendler wichtig", so lauten die Aussagen. Was hat die Wirtschaft im Landkreis davon, wenn 200 Güterzüge durchfahren? Sie halten ja nicht an, um etwas zu be- oder entladen. Sie zahlen auch keine Maut. Sie fahren einfach nur durch. Machen Lärm, Gestank und Dreck. Was hat der Tourismus davon? Kommen die Gäste dann zum Güterzügezählen in die Elbtalaue? Um dann wieder nach Hause zu fahren mit dem guten Gefühl, so etwas daheim nicht ertragen zu müssen.

Sollen die Pendler in den Güterwaggons mitfahren? Das werden sie wahrscheinlich müssen, denn einen Personenverkehr wird es nicht mehr geben. Alle sieben Minuten (24 Stunden am Tag) ein überlanger, doppelstöckiger Güterzug. Wo soll da auf einer eingleisigen Strecke noch Platz für einen Personenverkehr sein? Das HVV-Ticket, für das lange gekämpft wurde, hat sich damit erledigt. Dank tatkräftiger Mithilfe des Fahrgastrates. Der Vorsitzende Torsten Hensel versucht mit E-Mails gerade, die Kommunalpolitiker einzulullen. Wird ja alles nicht so schlimm! Es werden höchstens 20 Züge am Tag. Und das sind dann auch noch "Flüsterzüge". Die hört man kaum. Mit solchen Sprüchen soll versucht werden, kritische Stimmen ruhig zu stellen.

Die Realität ist aber, dass die Trasse bis an die Grenze der Belastbarkeit ausgenutzt wird. Sonst hätte man sie ja nicht bauen müssen. Und was von den "Flüsterzügen" zu halten ist, beschreibt der Verkehrsclub Deutschland folgendermaßen: etwa doppelt so laut wie eine Kreissäge und daher gesundheitsgefährdend. Die Bürger von Hitzacker und Dannenberg, die in der Nähe der Bahnstrecke wohnen, werden einen extremen Wertverlust ihrer Immobilien hinnehmen müssen. Ebenso einen Verlust an Wohnqualität. Nach Feierabend draußen im Garten sitzen? Dann könnte man auch seinen Urlaub auf dem Güterbahnhof in Maschen verbringen.

Gerade für Hitzacker bahnt sich eine Katastrophe an. Kneipp-Kurort adé! Manche Gebiete dürften praktisch unbewohnbar werden. Wie will man das den Bürgern erklären, denen die Stadt erst kürzlich Grundstücke in der Nähe der Bahngleise verkauft hat? Merkwürdigerweise ist mir aufgefallen, dass die Befürworter alle weit weg von der geplanten Trasse wohnen. Sie sind also nicht betroffen. Aber sind sie deshalb auch unbefangen? Ich rate allen Bürgerinnen und Bürgern, genau aufzupassen, wer sich wie positioniert. Schließlich möchte man doch später noch wissen, wem man für die Vorteile danken muss, die jetzt versprochen werden.

Christian Guhl,

Hitzacker

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