Online: 23.02.2015 - ePaper: 24.02.2015

Hühnertrockenkot: Nichts ist in Ordnung

Betrifft: Artikel "Ablagerung von Hühnertrockenkot" (EJZ vom 4. Februar)

Pressemitteilung des Landkreises: Hühnertrockenkot (HTK) ist ein "hochwertiger organischer Dünger, dessen ordnungsgemäße Verwertung im Rahmen der Düngeverordnung durch die Landwirtschaftskammer überwacht wird." HTK aus Holland müsse behördlich genehmigt werden, es gibt Vorgaben für eine sachgerechte Lagerung, die Landwirte sind gebeten, diese zu beachten, sonst drohen Bußgelder, und man könne sogar eine Umlagerung von HTK anordnen. Die Botschaft: Alles ist in Ordnung. Nichts ist in Ordnung, und dabei geht es - wieder einmal - um unsere Lebensgrundlagen Wasser, Boden, Luft. Trotz Düngeverordnung werden in etwa 60 Prozent des Grundwassers in Niedersachsen die zulässigen Nitratwerte überschritten. Der hiesige Wasserverband: "Hühnertrockenkot belastet das Grundwasser stark" (EJZ vom 19. November 2014). Die Landwirtschaftskammer überwacht die Düngung, für eine sachgerechte Lagerung von HTK jedoch ist die Wasserbehörde zuständig, um Nitrateintrag ins Grundwassers zu verhindern.

Doch auch in diesem Jahr sind HTK-Haufen nicht abgedeckt oder stehen, zwar abgedeckt, aber in Wasserlachen suppend oder über Jahre am selben Platz. Der Erlass des Landwirtschaftsministerium hierzu: "Der Lagerplatz ist von Jahr zu Jahr zu wechseln, um die biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften des Bodens zu erhalten und Nährstoffanreicherungen im Unterboden zu vermeiden".

Auch haben Wissenschaftler in HTK-Haufen antibiotikaresistente Keime nachgewiesen, die sich in der Luft verbreiten. Es ist ungeklärt, in welchem Maße das die Gesundheit von Menschen beeinträchtigt, Fakt jedoch ist, dass multiresistente Keime aufgrund des Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung mit die Ursache sind für Tausende von Todesfällen jährlich in Deutschland. Mit der Aussage, HTK sei "hochwertiger Dünger", werden die Folgen unsachgemäßer Lagerung unverantwortlich verharmlost.

Seit 2009 beobachtet die ANU, wie mit der Lagerung von HTK umgegangen wird. Viele Gespräche mit der Wasserbehörde wurden geführt, auf Verstöße hingewiesen, im Kreistag Anträge gestellt. Daraufhin erschien am 27. November 2010 eine Pressemitteilung der Verwaltung. Jetzt, nach etwa fünf Jahren, beschweren sich immer noch Bürger und Bürgerinnen über die Lagerung von HTK, weil sich grundlegend immer noch nichts geändert hat. Wieder erscheint eine beschwichtigende Pressemitteilung mit gleichem Inhalt, zum Teil wortwörtlich wie vor fünf Jahren. Und - soll es so weitergehen?

Soll der Appell der Verwaltung an die Landwirte, "...im Sinne des Schutzes von Mensch, Umwelt und Natur die Bestimmungen zu beachten", nicht eine inhaltsleere Sprechblase sein, die feigenblättrig ein Engagement für die Umwelt vorgaukelt, müssen auch Bußgeldbescheide erteilt werden - wie traurig eigentlich - und zwar unmittelbar, konsequent und immer wieder. Es würde sich sehr schnell herumsprechen.

Hermann Klepper, Banzau

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