Online: 02.03.2015 - ePaper: 03.03.2015

Die Deiche sind nicht sicher

Betrifft: Hochwasserschutz

"Die Stärke unserer Deiche ist die Schwäche derjenigen drüben." Vor der Wende war das ein geläufiges Zitat von Baudirektor Karl Horst Thienel, Leiter des damaligen Wasserwirtschaftsamtes Lüneburg. Diese Beurteilung ist längst überholt. Gegenüber sind die Deiche mindestens so stark wie unsere, wenn nicht sogar stärker, auch wegen ihrer sehr guten Unterhaltung. Hier werden ein nach Wasser- und Deichrecht illegales Baugebiet und freizuhaltende Überschwemmungsgebiete entgegen den Erfordernissen des Abflussverhaltens der Elbe und des Hochwasserschutzes vorgezogen mit Deichschutz beplant, während die ausgesprochen gefährdeten, in drei Städten und vielen Dörfern dicht besiedelten, mit sensibler und teurer Bebauung bestandenen Altverbandsgebiete offensichtlich nachrangig behandelt werden.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat bereits Ende 2013 im Bereich Kaliß und Heiddorf Hochwasserschutzmaßnahmen für 800000 Euro begonnen. Ein Baubeginn, auch nur eine Bauplanung auf diesseitiger Elbseite scheint auch bald zwei Jahre nach der Fastkatastrophe in den Sternen zu stehen, obwohl jederzeit ein Weiteres Jahrhunderthochwasser eintreffen kann.

Die Deichhöhen oberhalb Hitzackers haben sich als zu niedrig gezeigt. Die Deichlinie von Wussegel bis Langendorf besitzt zumindest auf langen Strecken binnenseitig unter anderem erhebliche Auftriebschäden infolge einer zu niedrigen Binnenberme. Die Notwendigkeit einer Erhöhung ist seit vielen Jahren bekannt. Nach meiner Überzeugung haben die Ergebnisse und Erfahrungen des Katastrophen-Hochwassers 2013 schwere Mängel an den Hochwasserschutz-Anlagen aufgezeigt, die bislang in keiner Weise gemindert wurden. Außerdem nehmen Abflussbehinderungen aus zunehmender Verbuschung und Vorlandauflandung ständig zu. Die Deiche sind nicht sicher, und eine Besserung ist nicht in Sicht. Ich glaube, dass die überwiegende Bevölkerung der hiesigen Deichverbände sich nicht bewusst ist über ihre Hochwasser-Sicherheit. Ein Deichversagen von unterhalb Gorleben bis Hitzacker kann maßloses Unheil für die Dannenberger Marsch und das untere Jeetzeltal bedeuten. Am 16. Juli 2011 hat die EJZ einen eindrucksvollen Artikel "Wann läuft die Elbe über?" von einem der versiertesten Kenner der Elbe und Fachmann Rolf Lack, dem ehemaligen Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, gedruckt - seine Prognose: "Irgendwann läuft die Elbe über die Deichkrone." Ich kann die scheinbare Gelassenheit der zuständigen Stellen nicht verstehen.

Axel Horns,

Dannenberg

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