Online: 02.03.2015 - ePaper: 03.03.2015

Eindruck: Bürger zweiter Klasse

Betrifft: Pegida

Ich bin nicht für Pegida, aber ich kann durchaus verstehen, dass Menschen friedlich auf den Straßen demonstrieren, weil ihre Ängste und Interessen nicht mehr von den Parteien wahrgenommen werden. Auch geht es in erster Linie gar nicht um den Islam, sondern um Ängste vor einem weiteren sozialen Abstieg. Vor wenigen Wochen hat die Politik die Wiedervereinigung von Ost und West gefeiert, dabei aber völlig übersehen, dass es auch nach 25 Jahren immer noch erhebliche Lohnunterschiede gibt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist dort ein Fremdwort, obwohl die dort hergestellten Produkte nicht minderwertig sind und zu guten Preisen weltweit verkauft werden. Für die Politik war es kein Problem, viele Millionen in Unternehmen zu pumpen, aber die Arbeitnehmer leistungsgerecht zu bezahlen, dafür fehlte der politische Wille. Eine gerechte Bezahlung hätte nicht nur eine soziale Schieflage verhindert, sondern auch unserem ganzen Sozialsystem geholfen. Im eigenen Staat, in den die Menschen so viel Hoffnung gesetzt haben, Bürger zweiter Klasse zu sein, würde uns auch nicht gefallen.

Ich bin nicht gegen Muslime, vorausgesetzt unsere Verfassung und Gesetze werden geachtet, deren Grundlage immer noch die Zehn Gebote sind. Ich bin aber dagegen, Muslimen Sonderrechte einzuräumen. Damit könnte auch jede andere Religion in Deutschland Ansprüche erheben, deshalb: Wehret den Anfängen!

Herr Wulff behauptet, der Islam gehöre zu Deutschland. Damit irrt er. Es gibt den Islam in Deutschland, und Muslime können ihren Glauben laut Grundgesetz friedlich ausüben, aber er kommt aus einer uns völlig fremden Kultur. Nicht nachvollziehbar sind die absurden Ideen unseres Ministerpräsidenten, muslimische Feiertage einzuführen oder einen Staatsvertrag mit den Muslimen abzuschließen. Hier gießt er nur Wasser auf die Mühlen fremdenfeindlicher Gruppen, und damit ist keinem geholfen. Es gibt im Islam keine einheitliche Theologie, aber viele Richtungen zum Beispiel Schiiten oder Sunniten, nicht einmal sie vertragen sich. Die gefährlichen Terrororganisationen weltweit berufen sich auf den Islam, somit besteht erheblicher Klärungsbedarf, wer den Islam nun wirklich repräsentiert. Solange Juden und Christen im Islam als Ungläubige gelten, dürfte eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sehr schwierig werden. Einfach peinlich ist es, wenn der türkische Ministerpräsident als Gast sich das Recht herausnimmt, zu seinen Landsleuten zu sprechen. Damit zeigt er, wie wenig Respekt er unserer Regierung entgegen bringt. Eine selbstbewusste Regierung tritt anders auf.

Reiner Gutt, Gorleben

^ Seitenanfang