Online: 06.03.2015 - ePaper: 07.03.2015

Irrationales Bahn-Bashing

Betrifft: Leserbriefe zum Thema Breimeier-Trasse

Es ist schon verwunderlich, wie schnell die Emotionen beim Thema Bahn hochkochen können. Als Vielreisender merke ich das immer, wenn jede Fünf-Minuten-Verspätung der Bahn gleich hämisch kommentiert wird, eine Verspätung im Flieger um eine Stunde aber häufig ungleich gelassener akzeptiert wird. Und wenn beim Small-Talk mal die Themen ausgehen sollte, dann ist man mit Bahn-Bashing meist immer auf der sicheren Seite, auf rationale Argumente kann man da auch gerne mal verzichten.

Diesen Eindruck bekomme ich auch, wenn ich einige der Leserbriefe in den vorigen Wochen zur sogenannten "Breimeier-Trasse" lese. Da werden Horrorszenarien an die Wand gemalt, die Erich Bäuerle plakativ als "Wahnsinn" tituliert. Wahnsinnig erscheint mir höchstens die irrationale Logik, mit der die Gegner solcher Vorschläge schon die reine Idee als solche bekämpfen. Das mag bestenfalls Unwissenheit sein, in manchen Punkten scheinen es aber auch einfach handfeste Eigeninteressen zu sein, die hier den Ausschlag geben, so wie Christian Guhl es zumindest zugibt.

Wir alle wissen, dass Deutschland zu den stärksten Handelsnationen der Welt gehört. Güter müssen dafür bewegt werden, auf der Schiene wie auf der Straße. Das Sankt-Florians-Prinzip - "Verschon mein Haus, zünd’ andere an" - hilft dabei niemandem. Die Lasten, die mit dem Güterverkehr einher gehen, müssen auf möglichst viele Schultern verteilt werden. Das will auch der Breimeier-Vorschlag, der die 200 Güterzüge eben nicht mehr ausschließlich über die bestehenden Haupt-trassen abwickeln will, sondern weitere Routen, darunter eben auch die durch das Wendland, prüfen will. Warum die Gegner die absurde (und technisch überhaupt nicht umsetzbare) Annahme in den Raum stellen, dass all diese 200 Züge zukünftig durch das Wendland rollen sollten (und keine mehr über Hannover, Stendal etc.), erschließt sich wohl nur ihnen selbst.

Wenn bei der realistischeren Annahme von vielleicht 30 Zügen pro Tag durch das Wendland dafür eine für die Allgemeinheit verbesserte Verkehrsinfrastruktur entsteht, und gleichzeitig mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann, dann haben am Ende alle etwas davon - wahrscheinlich sogar Herr Bäuerle und Herr Guhl, wenn sie etwas länger überlegen. Die Idee, die Breimeier diskutieren möchte, hat aus anderen Gründen vermutlich wenig Chancen auf eine Realisierung. Sie aber gerade dann schon in einem solchen Frühstadium so zu diskreditieren, erweckt den Eindruck, dass es den Gegnern nicht um die Allgemeinheit, sondern vorrangig um ihre eigenen Interessen geht. Das wäre ihr gutes Recht, aber das sollte dann auch deutlich so gesagt werden.

Dr. Frederik Holst,

Kolborn

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