Online: 11.03.2015 - ePaper: 12.03.2015

Wasser ist leider nicht weg

Betrifft: Artikel "Und die Sägen kreischten doch" (EJZ vom 28. Februar)

Die Fortführung der Baumfällungen in Vietze wurden laut Kreisbaurätin Schaaf gemeinsam von Projektgruppenleitung, Landkreis und Gemeinde empfohlen. Hier ein paar Widersprüche, welche öffentlich kundgetan wurden:

Bei der "Infoveranstaltung" sagt Ernst-August Schulz, bei einer Breite von 600 Metern hat die Elbe genug Raum für Abfluss, auch bei den höchsten Hochwassern. Die Deichentfernung der Elbe in Vietze beträgt 700 Meter. Herr Petersen (Leiter NLWKN) sagt, Baumfällungen wirken immer nur stromaufwärts. Flussaufwärts von Vietze gibt es aber keine akut gefährdeten Bereiche, welche eine Fällung begründen würden. Trotzdem wurde bei der "Infoveranstaltung" am 3. Februar erfolgreich versucht (unter anderem mit kuriosen Berechnungen), den Eindruck aufrechtzuerhalten, die Fällung bei Vietze würde die Anwohner in den tiefer gelegenen Wohngebieten schützen.

Unser Landrat sagte in Dünsche am 18. Februar, es gebe keine Ausgleichsflächen für die Fällungen. Ein paar Stunden vorher hat er die Fällungen genehmigt. Herr Schenk, Bürgermeister Höhbecks, sagt, alle seien froh über die Fällungen, bis auf einige wenige. Die 200 Menschen, die einen Aufruf gegen die Fällungen unterzeichnet haben, hat er wohl vergessen, vielleicht, weil die meisten "Zugezogene" sind.

Mein Eindruck ist und war, dass weder im Landkreis noch bei der Gemeinde genug Sachkenntnis beziehungsweise Bereitschaft vorliegt, sich umfassend zu informieren. Das entscheidende Problem bei Baumfällungen, und das haben die offiziellen Stellen wohl leider noch nicht erkannt: Das Wasser ist dann leider nicht weg, es ist nur schneller woanders, das heißt flussabwärts. Es geht auch anders, so hat das SPD-geführte Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern die Fällungen erstmal gestoppt, und der BUND Beschwerde bei der EU-Komission eingelegt, da laut dem zweidimensionalen Gutachten die Erfolge von Baumfällungen äußerst gering bis vernachlässigbar sind. Vor allem, weil pro gefälltem Hektar 2,17 Hektar Weichholzaue im direkten Elbdeichbereich wieder aufgeforstet werden müssen. Niedersachsen möchte aber munter weitermachen und plant auch an 38 anderen Stellen Tabula rasa. Ganz anders beim Thema Deichrückverlegung, da ist im Raum Niedersachsen bisher leider keine einzige geplant, obwohl die kritischen Stellen bei Hochwasser an genau diesen Deichengstellen liegen.

Werner Böhm,

Vietze

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