Online: 11.03.2015 - ePaper: 12.03.2015

Unausgegorene Vorschläge

Betrifft: Verkehrsgerichtstag in Goslar

Eigentlich war nicht zu erwarten, dass die bajuwarisch-populistischen Mautpläne noch zu toppen wären, aber der Ex-Generalbundesanwalt Nehm hat es geschafft und setzt noch eins drauf. Er fordert eine allgemeine Pkw-Maut und (Zitat): "Zu Spitzenzeiten mit viel Verkehr und auf notorisch überlasteten Straßen wäre dann mehr Maut fällig als zu Zeiten, in denen weniger Fahrzeuge unterwegs sind."

Unausgegorener geht es nicht mehr. Sollen Autofahrer und insbesondere Lkw-Fahrer auf Nichtspitzenzeiten warten, um weniger Maut zu zahlen? Schichtarbeiter fahren zu verkehrsarmen Zeiten zur Arbeit, oder wann? Wann sind wo Spitzenzeiten oder nicht? Wie soll der Verkehr geregelt und kontrolliert werden? Wenn da mal nicht die regulierungswütige deutsche Bürokratie überfordert wird. Und wie soll die Entlastung für die erfolgen, die wenig oder zu verkehrsarmen Zeiten fahren, wie er vorschlägt? Fragen über Fragen.

Doch damit nicht genug, schlägt sein Gremium auch noch das Abholzen von Alleen vor. Wie einfallsreich. Bei so viel Schwachsinn sollten diese Experten besser am 1. April tagen. Ich habe immer - wohl irrigerweise - die befestigte Fahrbahn als Fahrweg angesehen und nicht die Seitenräume, die gerodet werden müssten. Ich fürchte aber, dass es fürs Abholzen viele Befürworter gibt, denn auf den Gedanken, in eigenem Interesse verantwortungsbewusster zu fahren, kommen wohl leider zu wenige.

Über Geldbeschaffung für Straßensanierungen muss nicht diskutiert, sondern die Mineralölsteuer-Milliarden müssen endlich dafür, wofür sie angeblich erhoben werden, verwendet werden, statt 16 Länderparlamente zu mästen. Wozu diese Kleinstaaterei, wo doch so von Europa geschwärmt wird?

Auch die Forderung, generell 80 km/h auf Landstraßen einzuführen, zeugt nur von Gängelungssucht, die sich einmal mehr nach dem Umbau der Bundesstraßenkreuzung in Prisser zeigt. In Nord-Süd-Richtung traut man Verkehrsteilnehmern zu, den Geradeausverkehr passieren zu lassen, bevor sie links abbiegen. Dass sie dazu auch in Ost-West-Richtung in der Lage sind, ist offenbar so unwahrscheinlich, dass für Linksabbieger eine Extraschaltung installiert wurde. Solange solche Ampelanlagen statt Kreisel gebaut werden (siehe Lüchow), ist Umweltschutz total unglaubwürdig, denn in der Zeit, die ich jetzt als Linksabbieger doppelt so lange warte, wären ich und alle Anlieger längst zu Hause, und wir hätten unsere Fahrzeuge abgestellt.

Willi Grande, Prisser

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