Online: 11.03.2015 - ePaper: 12.03.2015

Scheinheilig nachgetreten

Betrifft: Kommentar "Wer soll sich da noch bewerben?" von Axel Schmidt und Leserbrief "Versierten Fachmann für Kommunales desavouiert" von Klaus-Peter Dehde (beide EJZ vom 28. Februar)

Dem Kommentar von Herrn Schmidt stimme ich in weiten Teilen zu. Als Mitglied des Rates schäme ich mich für die üble Art und Weise, wie hier mit einem Bewerber umgegangen wurde. "Dank" der geheimen Wahl wird sich nie ausmachen lassen, wer wie abgestimmt hat. Fakt bleibt, dass es zu viele Ratsmitglieder gab, die sich nicht an klare Aussagen ihrer Fraktionsvorsitzenden gehalten haben und dadurch einen unbescholtenen und sehr qualifizierten Kandidaten in für mich menschlich unanständiger Weise behandelt haben. Es geht hier nicht um Kungeleien oder das Verhindern von Gegenstimmen: Grüne und SOLI haben frühzeitig mitgeteilt, dass sie nicht zustimmen werden und das ist absolut in Ordnung und demokratisch. Wären auch andere Fraktionen mit gleicher Zuverlässigkeit aufgetreten, wäre uns allen die Peinlichkeit dieser "Un-Wahl" erspart geblieben.

Ich habe mehr als einmal in Ratsgremien auf Dinge hingewiesen, die mir bei der Amtsführung von Samtgemeinde-Bürgermeister Meyer nicht gefallen, bin also keineswegs unkritisch. Die Fairness gebietet es aber, darauf hinzuweisen, dass es bezüglich des Ablaufes des Auswahlverfahrens keinerlei Anlass zu irgendeiner Kritik gab. Das Verfahren hat Herr Meyer für alle Fraktionen gleichermaßen absolut transparent und offen durchgeführt. Selbst ein so ausdrucksstarker, netter und sympathischer Mensch wie der kluge Herr Dehde hätte das nicht besser machen können.

Wohl deswegen gab es auch bis dato keine Beanstandungen von der SPD-Fraktion oder von Herrn Dehde selbst. Der Fehler lag hier ausschließlich in der Mitte des Rates! Insofern empfinde ich seinen Brief als Nachtreten und scheinheilige Ausführungen des gescheiterten Bürgermeister-Kandidaten, der aus dieser Pleite noch politisches Kapital ziehen will. Zur Vorgängerin im ausgeschriebenen Amt: Ich finde, hier spekulieren sowohl Herr Schmidt wie auch Herr Dehde über das Ziel hinaus. Fakt ist, dass es eine offene Diskussion unter Ratsmitgliedern gab, die weder das Stadium einer interfraktionellen Absprache geschweige denn eine Vorentscheidung oder gar die Ebene eines konkreten Vorschlages des Bürgermeisters erreicht hatte, als Frau Steckelberg ihre Entscheidung mitteilte, nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen. Über ihre konkreten Motive für diese Entscheidung gibt es meines Wissens von ihr keine "offiziellen" Verlautbarungen. Ich finde, der persönliche Respekt vor Frau Steckelberg gebietet es, ihre Entscheidung einfach so zu akzeptieren, wie sie sie getroffen hat.

Für andere Spekulationen bleibt nur Peer Steinbrück zu zitieren: "Hätte, hätte, Fahrradkette!"

Martin Schultz,

Breese/Marsch,

Fraktion der Bürgerliste im SG-Rat

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