Online: 17.03.2015 - ePaper: 18.03.2015

Ein ziemliches Trauerspiel

Betrifft: Artikel "Und die Sägen kreischten doch" (EJZ vom 28. Februar)

In der Elbaue vor Vietze, wo die Abholzung der Weiden inzwischen abgeschlossen ist, stehen jetzt Hunderte Stubben: ein grauenhafter Anblick! Und daran wird sich sobald nichts ändern: Ein Ausgraben der Wurzeln oder das Fräsen der Stubben kommt wegen der drohenden Freisetzung von Dioxinen nicht infrage. Und ein Konzept für die weitere Pflege und Beweidung der Auenwiesen existiert schon gar nicht. Sicher ist nur: Die Weidenstubben werden austreiben, wodurch dann erst Recht eine Verbuschung entsteht, die nach Ansicht aller Experten den Durchfluss des Wassers erheblich stärker behindern wird als hoch gewachsene Bäume. Dass es bei der Abholzung um einen effizienten Beitrag zum Hochwasserschutz geht, glaubte in Vietze aber sowieso kaum noch jemand, zumal selbst Ernst-August Schulz bei der Veranstaltung keine Angaben mehr machen wollte, wie viele Zentimeter das tatsächlich bringt. Viele Vietzer haben die Abholzung nur deshalb begrüßt, weil sie die Bäume schon lange stören; sie sehnen sich nach den Elbwiesen ihrer Kindheit, als dort keine Bäume standen.

Diejenigen, die mit stichhaltigen Argumenten die Abholzung als Maßnahme zum Hochwasserschutz abgelehnt haben, waren jedoch immer bereit, mit allen Vietzern darüber zu diskutieren, wie man zum Beispiel durch gezielte Rückschnitte die vielfach gewünschten Sichtachsen auf die Elbe freischneiden könnte. Das wäre vielleicht ein kluger Kompromiss gewesen, mit dem alle Vietzer gut hätten leben können. Solche Debatten rechtzeitig im Vorwege zu organisieren, wäre Aufgabe des Gemeinderats gewesen. Deshalb hatten wir Bürgermeister Schenk bereits im Januar aufgefordert, eine Gemeindeversammlung durchzuführen, was Herr Schenk und seine Stellvertreter jedoch abgelehnt haben. Eine Dorfversammlung fand erst statt, als das Umweltministerium aus Hannover unseren Bürgermeister aufgefordert hat, eine Informationsveranstaltung durchzuführen; auch das ein ziemliches Trauerspiel.

Durchgesetzt haben sich nun die radikalen Abholzer, aber glücklich ist damit in Vietze wohl niemand. In der Aue steht ein Trümmerfeld aus Stubben, ein einziges Bild der Verwüstung.

Anja Kuhr, Vietze

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