Online: 20.03.2015 - ePaper: 21.03.2015

Mannschaft böse verunglimpft

Betrifft: Artikel "Das war eine Frechheit" (EJZ vom 16. März)

Dieser Meinung des Trainers Sascha Herwig vom MTV Dannenberg kann man sich leider nur anschließen. Viele Spiele habe ich die vergangenen zwei Jahre als Zuschauerin mit meiner Familie auf der Tribüne verfolgt. Die eigene Mannschaft anfeuern, mitfiebern, bangen, hoffen, auch Wut und Entäuschung, Trauer gehören zu den Emotionen, die die Fans wie Spieler in 60 Minuten begleiten. Ist das Spiel vorbei, wird das Spiel reflektiert, bewertet und zumindest für die Zuschauer abgehakt.

Ein Derby hingegen lässt die Emotionen noch einmal mehr hochkochen, jeder will die Nummer eins in der Nachbarschaft sein. Ein Derby zwischen Dannenberg und Clenze lässt eine Halle schon mal zu einem heißen Hexenkessel werden. Jedoch stehen nach dem Schlusspfiff Spieler wie Zuschauer friedlich vor der Tür, manchmal noch diskutierend, aber niemals aggressiv, ich habe es jedenfalls so noch nicht erlebt.

Was da aber am vergangenen Sonnabendabend in Salzwedel passierte, da bleibt einem die Spucke weg. Die Stimmung auf dem Feld, wie von dem Trainerduo beschrieben, dem kann ich nur beipflichten. Natürlich muss man auch vor der eigenen Haustüre fegen, und natürlich gab es zwei Situationen, wo auch der MTV nicht glänzte, aber das wurde ja auch sofort geahndet. Was mich bewegt, sind die Bilder nach dem Spiel, die leider nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Dass ein Junge, der zu der kleinen Stimmungsband mit Trommel und Tröte gehört, von einem erwachsenen Gast böse geschubst wurde, ein Spieler wurde offensichtlich per Handzeichen noch in der Halle bedroht, vor der Halle musste der Torwart vor einem betrunkenen Gast beschützt werden. Auf der Homepage des SVT Salzwedel wird die Dannenberger Mannschaft böse verunglimpft (Clenze übrigens auch - Wortlaut "Scheißkreis").

Maximilian Schulz vom MTV bilanzierte im Zeitungsbericht: "Die haben schon sehr hart gespielt, aber das hätten wir trotzdem gewinnen müssen." Die Chancen standen ja auch gut, und vielleicht gingen gar nicht die Spielideen zum Angriff in der zweiten Halbzeit aus, sondern etwas anderes passierte. Ein Spieler sagte nämlich nach dem Spiel: "Handball ist mein Hobby, ich spiele nicht in der Profiliga und verdiene damit mein Geld, ich lasse mir doch nicht freiwillig die Zähne ausschlagen." Da beschleicht einem nach diesem Abend das Gefühl, dass es hier gar nicht um ein normales Derby geht, sondern ganz andere Themen bearbeitet werden. Ist die Kluft zwischen Ost und West tatsächlich noch so groß? Zu hoffen bleibt, dass an diesem Wochenende ein spannendes Derby zwischen Nord- und Südkreis zu sehen ist, das fair und freundschaftlich bleibt und das vergangene Spiel gegen den SVT dem entsprechenden Verband gemeldet wird.

↔Natalie Möhring, Karwitz

^ Seitenanfang