Online: 23.03.2015 - ePaper: 24.03.2015

Ein industrielles Großprojekt schadet der Region

Betrifft: Diskussion über die Breimeier-Trasse

Dass der Fahrgastrat moderaten Güterverkehr anstrebt und dass er nicht die Großvariante mit doppelgleisiger, elektrifizierter Gütertrasse mit 200 durchrasenden Mammutzügen pro Tag wünscht, das nimmt man ihm gern ab. Andererseits kennt er doch die Breimeier-Variante, die als Alternative für die kaum noch realisierbare Y-Trasse von eben diesem Herrn Breimeier entwickelt wurde, genau - hat er sie doch selbst in das "Dialogforum Schiene Nord" eingebracht. Diese Variante spricht eine ganz andere Sprache. Hier geht es um ein verkehrsplanerisches Großprojekt, und landet dieses erst mal an vorderer Stelle im Bundesverkehrswegeplan, dann fragt doch keiner den Fahrgastrat mehr nach seinen Wünschen. Wer nimmt schon Milliarden für den Ausbau in die Hand für moderaten Güterverkehr oder für die Anbindung des Personenverkehrs an die Metropolen? Das hätte man ja schon gleich nach der Wende tun können, als die Autobrücke über die Elbe neu gebaut wurde, die Bahnbrücke aber dem Dornröschenschlaf überlassen wurde. Im Gegenteil wurden noch vorhandene Strecken, für deren Erhalt sich die Anwohner dieser Strecken damals einsetzten (Beispiel Dömitz-Stendal) stillgelegt. Dafür gab's kein übergeordnetes Interesse.

Wenn es aber jetzt um eine Ersatzmöglichkeit für die umkämpfte Y-Variante gehen soll, um die Möglichkeit, die Massen an eintreffenden Containern aus den Überseehäfen möglichst schnell wegzuschaffen, wenn dann der Bau einer Eisenbahn-Elbquerung und der Ausbau alter Strecken plötzlich möglich sein sollen, so soll sich das auch rechnen für die, die das große Geld in die Hand nehmen: den Bund und die Wirtschaft. Da spielen das Wohl der Anwohner und die lebenswichtigen Interessen kleiner Landkreise wie Natur und Touristik nur eine untergeordnete Rolle im Planspiel, da wird über nette Ideen wie moderaten Güterverkehr nur trocken gehustet, fürchte ich.

200 Riesenzüge am Tag, da müsste zum Beispiel für die Kinder der Freien Schule in Hitzacker am Ende ein Tunnel unter die Bahn gegraben werden, damit sie noch heil an ihr Ziel gelangen könnten - ach nein, da wäre bei der permanenten "Beschallung" sowieso kein Unterricht mehr möglich. Geht es um Großprojekte, so haben wir vor Ort nichts davon. Wir werden nur benutzt, in diesem Fall als Durchrauschgebiet für Güter, die mit uns und unserer heimischen Wirtschaft nichts zu tun haben. Das alles mag hysterisch klingen, aber es gibt halt Planungen, die man nicht für möglich hält (siehe AKW Langendorf und eben Gorleben).

Die angedachte Gütertrasse ist ein industrielles Großprojekt und schneidet einem Gebiet, dessen größtes Gut eine noch großflächig intakte Naturbelassenheit ist, tief ins Fleisch. Nun ist das ja alles bisher nur eine Vision, aber keine schöne, und vielleicht kommt's ja auch nicht dazu. Aber auf so ein Vielleicht kann man sich nicht verlassen. Wenn solche Großprojekte erst einmal rollen, dann braucht's gewaltige Anstrengungen, so etwas noch zu stoppen. Also aufpassen!

↔Jutta von dem Bussche,

↔Hitzacker

^ Seitenanfang