Online: 26.03.2015 - ePaper: 27.03.2015

Mit Respekt begegnen

Betrifft: Leserbrief "Urteil pro Kopftuch ist verfassungswidrig" von Herbert Flügel, Lüchow, (EJZ vom 21. März)

Verfassungsrichter sollen natürlich nicht "Wahlergebnisse berichtigen" oder demokratisch zustande gekommene Gesetze "nach eigenem Gutdünken umdeuten". Aber sie müssen überprüfen, ob solche Gesetze mit unserer Verfassung vereinbar sind - auch wenn ihre Entscheidungen uns nicht immer gefallen. Dass unser Grundgesetz eine sehr gute und sehr bewährte Basis ist, da sind wir uns doch wohl einig?

Im Fall des hier diskutierten "Kopftuchurteils" (Beschluss des BVerfG vom 27. Januar 2015) geht es nicht eigentlich um die angesprochene Gleichberechtigung von Mann und Frau; wie die beiden ihre Partnerschaft gestalten, ist verfassungsrechtlich ohne Bedeutung. Aber gerade wenn uns diese Gleichberechtigung wichtig ist, dann sollten wir nicht vergessen, dass es auch bei uns noch Defizite gibt. Beim "Equal Pay" - gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit - steht Deutschland ziemlich kümmerlich da. Und es ist noch nicht lange her, da wurde es als naturgegeben und gottgewollt angesehen, dass der Mann in der Familie die wichtigen Fragen zu entscheiden hat. Erst seit 1977 darf die Frau ohne schriftliche Zustimmung ihres Ehemannes erwerbstätig sein. Im "Kopftuchurteil" geht es aber eben nicht um die Gleichberechtigung, sondern allein um die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit. Unser Staat versteht sich gegenüber den Religionen ja als wohlwollend neutral, Gott sei Dank. Wenn er das Tragen beispielsweise einer christlichen Ordenstracht - auch im Schuldienst - erlaubt, muss er dann nicht auch den muslimischen Lehrerinnen das Tragen einer Kopfbedeckung gestatten? Können wir überhaupt etwas dagegen haben, wenn er den Angehörigen anderer Religionen mit Respekt begegnet?

Dr. Klaus Mundhenk,

Dannenberg

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