Online: 26.03.2015 - ePaper: 27.03.2015

Bäume nehmen die Sicht

Betrifft: Artikel "Mehr Baum-unfälle" (EJZ vom 18. März)

Man schlägt die EJZ auf und sieht ein Bild: Auto am Baum! Man liest dann im Bericht, dass im vergangenen Jahr 83 Menschen im Landkreis gegen einen Baum gefahren sind - 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut Polizei war die Hauptursache natürlich zumeist "überhöhte Geschwindigkeit". Frage: Welche Geschwindigkeit ist beim Vorhandensein von Straßenbäumen nicht überhöht?

Einige Seiten weiter ein Leserbrief von Frau Schmidt, die sich bitter darüber beklagt, dass ich den Baum-Mord fordere und rücksichtslos den Menschen als "Krone der Schöpfung" betrachte. Geht's noch? Straßenbäume sind nicht "die Natur", weil sie von - meiner Ansicht nach - unverantwortlich handelnden Bürokraten dort hingepflanzt wurden und für viel Steuergeld auch noch regelmäßig gepflegt werden, damit sie groß und dick werden - um dann Menschen zu töten. Dieser Vorgang erfüllt mindestens den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung respektive Tötung und muss juristisch verfolgt werden.

Der Begriff "Krone der Schöpfung" setzt eine gewisse Religiosität voraus. Auf diese Ebene begebe ich mich nicht, aber den Menschen als Speerspitze der Evolution zu sehen, kommt meinem Weltbild schon nahe, übrigens auch hinsichtlich der daraus resultierenden Verpflichtungen gegenüber der Natur. Die "straßenkreuzenden Wildtiere" hätten eine deutlich größere Überlebenschance, wenn Autofahrern nicht durch Straßenbäume die Sicht genommen würde, sie also rechtzeitig reagieren könnten. Die Rehe dächten eben nicht, sie wären im Wald, wenn sie hinter einem Straßenbaum stehen und plötzlich in die falsche Richtung fliehen. Und Autofahrer landeten nach einer Wildtierkollision nicht zwangsläufig an einem solchen Baum, liebe Frau Schmidt.

Michael Schöning,

Küsten

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