Online: 31.03.2015 - ePaper: 01.04.2015

Es geht der Frau um die Verhüllung

Betreff: Leserbrief "Urteil pro Kopftuch ist verfassungswidrig" von Herbert Flügel, Lüchow, (EJZ vom 21. März)

Ich bin bestürzt darüber, dass eine wichtige Institution unserer Gesellschaft so an den Pranger gestellt wird. Gibt sie doch jedem Bürger die Möglichkeit der Beschwerde, wenn er sich in seinen, im Grundgesetz zugesicherten Grundrechten eingeschränkt fühlt. Nur ein Beispiel: Ein Mann wird gegen seinen Willen von einem Amtsgericht, von einem Landgericht und vom Bundesgerichtshof wegen seines Alkoholismus' unter Betreuung gestellt. Erst das Bundesverfassungsgericht hat ihm sein Recht ­ auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit ­ in seinem Urteil 1 BvR 665/14 zurückgegeben.

Es mag sein, dass die Aussage "dies ist die Willkür männlicher Muslime", wie Herr Flügel in seinem Brief schreibt, auf einige kopftuchtragende Frauen zutrifft, aber doch nicht auf die Mehrheit. Wir haben ganz bestimmte Bilder im Kopf, und von ihnen lassen wir uns leiten. Wir können uns nicht vorstellen, dass eine Muslima ihre Verhüllung freiwillig trägt und sie dieses Tragen aus Glaubensüberzeugung und zum Beispiel aus der 24. Sure, Vers 31, ableitet. Dort heißt es: "Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen." Zu lesen auf www.islam.de.

Wobei es der Frau gar nicht um das Kopftuch geht, sondern um die Verhüllung. Meine Cousine, die sich lange damit auseinandergesetzt und sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat, trägt zum Beispiel einen großen Schal. Dieser ist aber, wenn er gebunden ist, nicht als solcher zu erkennen. Das Gespräch mit meiner Cousine hat auch ergeben, dass das Tragen einer "Verhüllung" den Frauen ein Sicherheitsgefühl verleiht. Seit sie diese Entscheidung getroffen hat, sind plumpe und manchmal auch obszöne "Anmachversuche" gegen null zurückgegangen. Auch ein Stück Freiheit. Frauen können ihre Gleichberechtigung auch dahingehend einsetzen, dass sie sagen: "Ich treffe meine Entscheidungen selbst."

Und zuletzt: Herr Flügel disqualifiziert sich mit der Aussage, "der Islam ist keine Religion", einfach selbst. Er bestätigt damit, dass er die Meinung der Boulevardpresse und der Stimmungsmacher weiterträgt und sich nicht selbst auf die Suche nach einer Meinung gemacht hat. Der Islam zählt entgegen einer weitläufigen Meinung Christen und Juden zur Gemeinschaft der Schriftkundigen dazu. Viele Christen verleugnen einfach dieselben Wurzeln, die Judentum, Christenheit und der Islam besitzen. Ich bin bekennender Christ.

Gerald Erdmann, Lüchow

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