Online: 31.03.2015 - ePaper: 01.04.2015

Jedes Maß verloren

Betrifft: Kommentar "Wie DAN die Welt retten könnte" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 29. März)

EJZ-Redakteure sind unabhängig in dem, was sie schreiben. Das wird mir immer wieder versichert, wenn wir Klärungsgespräche führen mit Geschäftsführer und Chefredakteur der EJZ. Die EJZ selbst weist zudem immer wieder darauf hin, dass sie keine Leserbriefe druckt, in denen Beleidigungen stehen. Beides richtig und gut. Allerdings nutzen bestimmte Redakteure in ihren Kommentaren leider immer wieder populistische Plattitüden, die inhaltlich unglaublich sind und deren Jargon die eigenen Ansprüche nicht erfüllt.

Der Kreistag ist demokratisch gewählt und bildet ein breites politisches Spektrum ab. Auch das ist gut so. In seinem Kommentar nimmt Redakteur Jens Feuerriegel zum wiederholten Male "ökologisch disponierte Abgeordnete" aufs Korn. Er zitiert dann in Bezug auf die Kontroverse zu weiteren Windvorrangflächen ein wesentliches Argument derselben: "Es müsse endlich Schluss sein mit immer mehr Verbrauch, immer mehr Wachstum, immer mehr Konsum."

Da nur die drei SOLI-Abgeordneten diesen Zusammenhang hergestellt haben, sind also wir gemeint, wenn er später schreibt: "Alles Gequatsche über weniger Energie, weniger Konsum und weniger Verbrauch….soll….uns Lüchow-Dannenbergern ein schlechtes Gewissen einreden." Und dann kommt's: "Und eine solche Argumentation bleibt nichts weiter als eine Attitüde (Geste), solange sich andere wie die Karnickel vermehren."

Die ausführlichen Argumentationsketten, die wir begründet vorgetragen haben, als "Gequatsche" zu verunglimpfen, bringt Feuerriegel sicher tosenden Applaus ein an bestimmten Stammtischen in DAN. Er zeigt damit aber einen tief hängenden Horizont, um nicht zu sagen mentale Zentralverriegelung. Wer nicht begreift, dass eine simple Wachstums-Extrapolation in die Zukunft trotz schrumpfender Bevölkerung hirnrissig ist, die globale Ungerechtigkeit verschärft und diesen Planeten killen wird, hat weder die Ausführungen des Club of Rome, noch die Beschlüsse des Rio-Gipfels 1992, noch die Bücher von Ernst Ulrich von Weizsäcker zur Kenntnis genommen.

Wenn ein Redakteur, der selbst kinderlos ist (wofür es ja gute Gründe geben kann), andere als "Karnickel" beschimpft, dann sinkt er damit sogar unter Bild-Niveau. Dafür schäme ich mich als Lüchow-Dannenberger. Die EJZ mit ihrem örtlichen Tageszeitungsmonopol und der daraus abzuleitenden Verantwortung sollte darüber einmal nachdenken.

Kurt Herzog,

Dannenberg

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