Online: 13.04.2015 - ePaper: 14.04.2015

Vorteile durch bessere Infrastruktur

Betrifft: Artikel "Trasse ja, Transit nein" (EJZ vom 19. März)

Heute verkehrt nur ein Zug auf der Strecke Dannenberg-Lüneburg und das auch nur im Drei-Stunden-Takt. Für eine strukturschwache Region wie unsere ein Zugeständnis, dem wir dem ungeliebten Atomtransport zu verdanken haben. Jetzt kommt ein Gremium zu dem Schluss, einer geplanten Trasse den Garaus zu machen. Bevor hier Entscheidungen für unseren Landkreis getroffen werden, sollte ein wenig mehr bedacht werden. Annehmlichkeiten werden gerne angenommen, aber Nachteile darf es keine geben, denn die bringen Lärm in den beschaulichen Kreis. Der Vorteil einer Anbindung an Wittenberge wäre genehm. Alles andere: indiskutabel. Sicher: Keiner will Nachteile, jeder nur den Vorteil. Aber das eine wird es ohne das andere nicht geben.

Wir reden hier über eine Trasse, die den Osten mit dem Westen und mit den Seehäfen verbinden soll. Gibt es nur Nachteile? Was ist mit Infrastruktur? Was ist mit neuen Möglichkeiten, die sich auch und gerade durch eine Trasse ergeben würden? Der Landkreis stirbt aus. Die Kinder gehen dahin, wo sie qualifizierte Ausbildungsplätze bekommen oder ein Studium erhalten. Große Betriebe wie Conti und SKF haben heute schon Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Wenn eine Infrastruktur nicht stimmt, wird auch kein Fachpersonal hierher ziehen.

Keine schnelle Anbindung an Hamburg oder Berlin. Schulen, die schließen, Lehrer, die fehlen (haben wir heute schon), Fachärzte kommen gar nicht erst hier her. Im Alter Termine bei Fachärzten zu erhalten, wird heißen, immer größere Wege in Kauf zu nehmen, um diese aufsuchen zu können. Wie? Ohne Anbindung, wenn man nicht mehr in der Lage ist, selber zu fahren. Die Betriebe werden abwandern, und glauben Sie nicht, dass man sich große Gedanken um die hier lebenden Arbeitnehmer/innen machen wird.

Man kann Dr. Rudolf Breimeier verdammen, die Studie von Dr.-Ing. Carsten Hein nicht gut heißen. Was aber, wenn sich durch eine Trasse neue Perspektiven ergeben? Ich weiß nicht, wie viele "Entwicklungspotenziale der Eisenbahnstruktur im Seehafenhinterland Niedersachsens als alternative Y-Trasse" gelesen haben, sich Gedanken über die Zukunft unseres schönen Landkreises machen. Was, wenn, wie in der Studie geschrieben, die Bahnanbindung nach Lüneburg zweigleisig und noch dazu elektrifiziert wird? Was, wenn auf einmal Pendler aus dem Landkreis bis Lüneburg und dann nach Hannover im stündlichen Takt oder gar nach Hamburg durchfahren können, ohne umzusteigen? Und das mit einer Fahrzeit von nur einer Stunde. Daran ist heute für einen Pendler überhaupt nicht zu denken. Eine bessere Infrastruktur bedeutet auch immer, dass ein Landkreis attraktiver für Familien wird. Und nun kann jeder, der will, den Stock erheben und mit Gebrüll in die Schlacht ziehen, wenn er denn meint, dass ein "gegen die Trasse" die bessere Lösung ist.

Martina Preetz, Dannenberg

^ Seitenanfang