Online: 01.05.2015 - ePaper: 01.05.2015

Machtgebaren im Spiel?

Betrifft: Artikel "Von der Unmöglichkeit eines Zebrastreifens" (EJZ vom 23. April)

In der offiziellen Beschreibung der Behörde (Internet) steht der folgende Text: "Mit ihren Verwaltungsvorgängen erfüllt das Straßenverkehrsamt im Landkreis Lüchow-Dannenberg gegenüber dem Bürger einen bestimmen Katalog an Dienstleistungen."

Die entscheidenden Wörter in diesem Zusammenhang lauten "Dienstleistungen gegenüber dem Bürger" - sollte man meinen. Dass dem nicht so ist, musste dann auch der Samtgemeinde-Bürgermeister von Gartow erfahren. Seine begrüßens- und lobenswerte Idee, im Bereich Altenheim beziehungsweise Kita einen Zebrastreifen zu installieren, wurde von Amts wegen mit der Begründung abgeblockt, dort sei das Verkehrsaufkommen zu gering. Aber das war noch nicht alles: Als Alternative wurde - ebenfalls von Amts wegen - eine Dunkel-Ampel vorgeschlagen, die allerdings mit erheblichen Kosten verbunden ist.

Nun fragt man sich natürlich zu Recht: Wenn auf der Hahnenberger Straße in Gartow das Verkehrsaufkommen zu gering ist für einen Zebrastreifen, wie kann sie dann hoch genug sein für eine Dunkel-Ampel? Wenn sich die Beamten die Mühe gemacht hätten, vor Ort zu recherchieren, hätten sie vermutlich mitgekriegt, dass ältere Menschen, oft mit einem Rollator ausgestattet, auch bei geringem Verkehrsaufkommen erhebliche Mühe haben, dort das rettende Ufer der anderen Straßenseite zu erreichen.

Bei den Behörden tut man sich ja manchmal etwas schwer, das ist wohl noch unserer preußischen Geschichte geschuldet. In manchen Behörden des Wendlands scheint diese Erkenntnis noch eher zuzutreffen, wie man den jüngsten Beispielen der EJZ entnehmen kann. Oder sollte bei diesem - mit Verlaub - Schildbürgersteich einfach nur Machtgebaren im Spiele gewesen sein? Vorschriften enthalten fast immer einen Ermessensspielraum, das gilt meines Erachtens ganz sicher auch in diesem Fall.

Ich plädiere jedenfalls dafür, die gute Idee des Bürgermeisters weiter zu verfolgen und möchte sogar noch einen Punkt draufsatteln: Vielleicht könnte man dann auch gleich auf der Hauptstraße zwischen Apotheke und Post einen Zebrastreifen vorsehen. Dort ist das Verkehrsaufkommen mit Sicherheit hoch genug, und die vielen Brummifahrer würden endlich einmal etwas rücksichtsvoller durch unseren Ort brausen.

Hans Hertel,

Gartow

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