Online: 01.05.2015 - ePaper: 01.05.2015

Forderungen nachvollziehbar

Betrifft: Kriegsfolgekosten für Griechenland (EJZ vom 8. und 9. April)

Wenn Herr Tsipras von der BRD Kriegsfolgekosten von 279 Milliarden Euro fordert, so liegt er meiner Meinung nach nicht unbedingt falsch, klagt doch selbst unser Bundespräsident überall deutsche Gräueltaten an. Es bedarf hier nicht der Gegenargumente aus dem Kriegsvölkerrecht und der Haager Landkriegsordnung von 1907, wonach Geiselnahme rechtens ist, wenn damit gleichzeitig die allgemeinen Verhaltensregeln wiederhergestellt werden sollen. So wird das Verhältnis eins (ein ermordeter Soldat) zu zehn Geiseln (Nichtkombatanten) als normal gesehen.

Da die BRD keinen Friedensvertrag hat (von der UdSSR mehrmals angeboten), kann jeder ehemalige Teilnehmer der Guten (= UN) auch versuchen, Wiedergutmachung einzufordern. Griechenland ist nicht durch die großen Vier gefragt worden. Und ein Friedensvertrag ist völkerrechtlich nicht möglich (siehe Gutachten unter anderem von Prof. Blumenwitz), weil eben völkerrechtswidrig fremdes Staatsgebiet (Ost-/Westpreußen, Schlesien usw.) annektiert worden war. Durch Kohls plötzliche Anerkennung der DDR als zweiten deutschen Staat und dessen Anerkennung der Ost-Neiße als neue Westgrenze wurde nun durch die 2+4-Verhandlungen der "Wunsch der Deutschen akzeptiert, die Abtretung der Ostgebiete quasi als Wiedergutmachungsanteil zu betrachten". Diesem Wunsch wollte sich der ehemalige Kriegsgegner nicht verschließen.

Gemäß Churchill hatte man das "falsche Schwein geschlachtet". Aber andere Teilnehmer auf der Seite der "Guten" hatte man nicht gefragt und bedacht. So kommen nun in Zeiten eigener Not die Forderungen an den Nachfolgestaat BRD (statt Deutschland) ganz nachvollziehbar auf den Tisch. Warum auch nicht -, wir haben es doch, wie die spendable Kanzlerin es allseits zeigt.

Manfred Bahr, Dannenberg

^ Seitenanfang