Online: 22.05.2015 - ePaper: 23.05.2015

Verantwortungslose Haltung

Betrifft: Artikel "Vorhang fällt im Brückendrama" (EJZ vom 28. April)

Angesichts der Statements seitens der Politik zur Elbbrücke muss einmal mehr festgestellt werden, dass Bürger- und Wirtschaftsinteressen je nach politischem Kalkül umgedeutet oder gänzlich ignoriert werden. Aus einer Mehrheit für die Brücke, soweit sie bezahlbar ist, wird nun, nachdem man so lange gewartet hat, bis sie naturgemäß teurer werden wird, eine angebliche Mehrheit dagegen.

25 Jahre nach der Einheit wird nun von Politikern der SPD und der Grünen sowie einigen wenigen, aber lautstarken Bürgern die Teilung des Landes zementiert. Wir erleben täglich, welches Hindernis die fehlende Brücke beim Zusammenwachsen der Orte und bei der wirtschaftlichen Entwicklung darstellt. Wenn man Pech hat, dauert das Übersetzen per Fähre eine halbe Stunde, dazu ist ab 21 Uhr regulär Schluss, und bei Hochwasser, Eisgang oder Reparaturen fährt sie überhaupt nicht. Ein Theaterbesuch in Schwerin, Freunde besuchen in Neuhaus, auf der jeweils anderen Seite arbeiten? Handwerksbetriebe im Landkreis beklagen, dass sie auf die jeweilige Elbseite beschränkt sind, da sie keine Mitarbeiter bekommen, die sich das mühselige Übersetzen antun wollen.

Es ist - meiner Meinung nach - eine absolut unverständliche und verantwortungslose Haltung der Kommunalpolitik, einerseits die leeren Kassen und die schwindenden Gewerbesteuern zu beklagen und sich andererseits Träumereien von einer wirtschaftlichen Entwicklung ohne passende Infrastruktur hinzugeben. Und von den Privatleuten, die gegen eine Brücke sind, möchte ich in einigen Jahren, wenn die letzte Schule geschlossen hat, die letzte Apotheke, der letzte Arzt, das letzte Geschäft aufgegeben haben, keine Klagen hören - auch nicht über die dann ins bodenlose gefallenen Werte ihrer Immobilien.

Ich wage darüber hinaus die Prognose, dass die Bürger aus Neuhaus, die einst dafür stimmten, Teil Niedersachsens zu werden, dies heute wohl niemals wiederholen würden. Mecklenburg-Vorpommern hätte die Brücke wahrscheinlich längst gebaut, dort bemüht sich die Politik, strukturschwache Regionen zu beleben. Zum Schluss frage ich mich, warum - wenn die Kosten wirklich der Knackpunkt sind - man nie den Versuch machte, privates Investement zu akquirieren. Allein die Kosten für zwei Pkw plus Fahrern betragen für die kommenden zehn Jahre mindestens 14000 Euro. Wir wären zum Beispiel bereit, diesen Beitrag zu leisten - vielleicht andere auch.

Ute Näther-Uffmann,

Neu Darchau

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