Online: 22.05.2015 - ePaper: 23.05.2015

Ein gesundes Maß überschritten

Betrifft: Elbe-Jeetzel-Klinik

Kürzlich lag ich im Dannenberger Krankenhaus, der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik: Die Aufnahme, Behandlung, Pflege, die medizinische Aufklärung und Erläuterung, die Versorgung, menschliche Zuwendung, Verpflegung und Service waren hervorragend. Alle Mitarbeiter kommen ihren aufopfernden und anstrengenden beruflichen Aufgaben mit enormem verantwortlichen Handeln nach. Antoine de Saint-Éxupéry: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist unsichtbar für die Augen."

Mit Erstaunen und Bestürzung musste ich beobachten, dass die Mitarbeiter offensichtlich einem noch größeren Druck ausgesetzt waren und sind, als ich es während eines stationären Aufenthaltes im vergangenen Jahr erleben durfte. Diese psychischen und physischen Beanspruchungen der Mitarbeiter haben längst ein gesundes Maß überschritten. Das Streben nach immer höherem materiellen Gewinn vernichtet jegliche Menschlichkeit und taumelt irgendwann aus dem Gleichgewicht. Was ist das für eine Denkungs- und Handlungsweise? Der Kopf ist doch rund, damit das Denken auch in eine andere Richtung gehen kann. Ist es denn der Sinn des Lebens, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein? Sämtliche extreme Entwicklungen endeten und enden im Chaos und in einem kläglichen und peinlichen Fiasko. Ludwig Giesebrecht: "Siehst du die Brigg dort auf den Wellen? Sie steuert falsch, sie treibt herein und muss am Vorgebirg zerschellen, lenkt sie nicht augenblicklich ein..." Peter Ustinov: "Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: Das ist technisch unmöglich." Ich kann die Welt nicht aus den Angeln heben, aber ich kann versuchen, sie mit meinem täglichen Handeln ein kleines bisschen besser zu machen.

Hortense Bröcker,

Dannenberg

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