Online: 01.06.2015 - ePaper: 02.06.2015

Problematik weder kleinreden noch vor sich herschieben

Betrifft: Artikel "Restorf und der Gestank" (EJZ vom 25. April)

Es gehört schon einiges an Chuzpe - um es mal so zu nennen - dazu, um auf die Frage "Treten giftige Gase aus?" mit "Nein" zu antworten, wenn bekannt ist, dass es sich um Schwefelwasserstoff handelt. Ein Blick ins Chemiebuch oder bei Wikipedia im Internet reicht, um zu lesen, dass Schwefelwasserstoff nicht nur giftig, sondern sehr giftig, äußerst giftig ist. Nun ist es bei diesem Stoff glücklicherweise so, dass der Gestank weithin warnt, bevor es zu einer Vergiftung kommt. Die Geruchsschwelle, ab der man den Stoff riechen kann, liegt bei einer Konzentration von 0,1 ppm. Akute Vergiftungserscheinungen treten erst bei der 1000-fachen Konzentration auf.

Angeblich wurden keine Grenzwerte überschritten. Welche Grenzwerte meint denn der Wasserverband konkret, und wie hoch waren denn die Messwerte? Der Höchstwert der Arbeitsstättenrichtlinie (MAK-Wert für Schwefelwasserstoff: 10 ppm) hat für die in der Umgebung wohnende Bevölkerung keine Bedeutung, denn der gilt, wie der Name ja sagt, ausschließlich für Arbeitsplätze. Eher käme dafür in Betracht der Wert der maximalen Immissionskonzentration MIK, eine Empfehlung für die Umgebung bis zu der die Konzentration als unbedenklich gilt. Dafür wird in der Regel ein Zwanzigstel des MAK-Werts angenommen, also 0,5 ppm. Das ist aber schon sehr in der Nähe der Geruchsschwelle. Nun haben Giftstoffe nicht nur eine akute Wirkung, sondern außerdem Langzeitwirkungen, auch bei niedrigen Konzentrationen. Da findet man bei Schwefelwasserstoff: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche.

So insgesamt betrachtet, besteht zwar kein Grund zur Panik. Genauso wenig besteht aber ein Grund für die Verantwortlichen, um die Problematik klein zu reden und monatelang vor sich hin zu schieben. Wenn dann auch ein Unternehmen als möglicher Verursacher öffentlich genannt wird, darf doch zumindest von diesem eine Stellungnahme erwartet werden, insbesondere, wenn man sich doch sonst so gerne öffentlich zu seiner Verantwortung für Mensch und Natur rühmt.

Reinhard Rengel, Karwitz

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