Online: 01.06.2015 - ePaper: 02.06.2015

Eine Chance zu überleben?

Betrifft: Artikel "Ist der Wolf doch böse?" (EJZ vom 9. Mai)

Nachdem in der Wochenendausgabe der EJZ der Artikel über die Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft in Hitzacker mit der Überschrift "Ist der Wolf doch böse?" betitelt wurde, ist es an der Zeit, die Berichterstattung der EJZ zum Thema Wolf unter die Lupe zu nehmen. Meine Beobachtungen fasse ich wie folgt zusammen:

Ganz im Stile der Boulevardpresse veröffentlicht die EJZ mit markanten Überschriften jede Äußerung, die irgendjemand zum Thema Wolf von sich gibt, mag sie für die Situation im Landkreis von Bedeutung sein oder nicht. Hier einige Beispiele: "Schädling ohne Lebensrecht" (18. Oktober 2014). Am 31. Dezember 2014 wird die Situation in Lüchow-Dannenberg beschrieben, im Fortlauf des Textes ausschließlich aus Sicht der Jäger. Da wird sich sogar erdreistet, in aller Öffentlichkeit zu bemerken: "In Jägerkreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass das (Überleben im Landkreis) nicht jedem Isegrim gelungen ist." Leider habe ich dazu keinen Aufschrei der Empörung gelesen. Als vor einiger Zeit außerhalb des Kreises in der Nähe eines Waldkindergartens ein Wolf gesichtet wurde, titelte die EJZ auf der ersten Seite: "Wolf vor Kindergarten" (als habe der Wolf am Gartentor gestanden und Einlass begehrt). Am 3. Dezember 2014 titelte die EJZ fett: "Wolf riss drei Kälber" (das war in Mecklenburg). Am 5. März 2015 berichtet die EJZ aus dem Kreis Cloppenburg "Räuber ohne Scheu", streunender Wolf ... gesichtet." Da muss dann jemand zitiert werden, der aus dem Auto heraus einen Wolf fotografiert hat und mitteilte, dass der dann "blöde geguckt habe" (blöder geht’s nicht).

Am 9. Mai nun die Frage als Überschrift "Ist der Wolf doch böse?" Ich glaube nicht, dass die Frage witzig gemeint war, was soll also der Quatsch? Natürlich frage ich mich, was bezweckt die EJZ mit einer solchen Berichterstattung? Die Auflage eines Regionalblattes lässt sich aufgrund einer marktschreierischen Tendenz wohl kaum steigern. Oder sollen hier bestimmte Interessengruppen bedient werden?

Ich wünschte, die EJZ würden ihrer Verantwortung gerecht und sachlich über Fakten berichten und nicht wie bisher vorhandene Ängste und Ablehnung gegenüber dem Wolf schüren. Ich sage nur: Armer Wolf, sie rücken dir unaufhaltsam auf den Pelz. Ob du eine Chance hast zu überleben?

Gisela Rehwald,

Trebel

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