Online: 01.06.2015 - ePaper: 02.06.2015

Bürger erwartet Taten statt folgenlose Forderungen

Betrifft: Artikel "Kampf gegen Resistenzen" (EJZ vom 15. Mai)

Endlich erkennt nun auch die Bundesregierung offiziell an, worauf sie schon seit Jahren von verschiedenen Seiten immer wieder hingewiesen wurde: Der unmäßige Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung und auch in der Humanmedizin ist für den vorzeitigen Tod tausender Menschen verantwortlich - und das jedes Jahr.

Als Reaktion "fordert" Gesundheitsminister Gröhe nun klare Regelungen für den Einsatz von Antibiotika. An wen kann er diese Forderung richten, wenn nicht an die Bundesregierung selbst? Was wir aber von dieser Regierung erwarten, sind nicht folgenlose Forderungen, sondern Taten, die an die Wurzeln des Antibiotikamissbrauchs gehen. Da wären zu nennen:

1. Verbot des Antibiotikaverkaufs durch Tierärzte. In Dänemark führte allein diese Maßnahme zu einer Halbierung des Antibiotikaverbrauchs.

2. Schrittweiser Rückbau der Massentierhaltung bis zum Verbot. Stressfrei gehaltene Tiere brauchen nur in Ausnahmefällen Antibiotika.

3. Neuordnung der Vergütung ärztlicher Leistungen. Es darf nicht sein, dass eine gründliche Untersuchung des Patienten für den Arzt unrentabel ist. Zur Zeit ist es so, dass bestehende Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika vielfach nicht schon im Vorfeld ermittelt werden, so dass nach Versuch und Irrtum erst das dritte oder vierte Antibiotikum Wirkung zeigt. Als Folge flüchtiger Untersuchungen werden nicht selten auch bei viralen Erkrankungen Antibiotika verordnet, was völlig unsinnig ist.

Der Verdacht ist nicht unbegründet, dass diese Bundesregierung keinen der oben genannten Schritte in Angriff nehmen wird und es bei simplen Forderungen belässt. Schlimmer noch: Die Massentierhaltung als ein Hauptverursacher multiresistenter Keime wird auch weiterhin auf verschiedene Weise öffentlich gefördert. Deswegen muss in aller gebotenen Schärfe gesagt werden: Wer wissentlich den Tod anderer Menschen nicht verhindert, obwohl er dazu imstande wäre, der macht sich mindestens der Beihilfe zum Totschlag schuldig. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Bundesregierung mit dieser Schuld leben will.

Johann E. P. Strauß, Leisten

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