Online: 01.06.2015 - ePaper: 02.06.2015

Gute Kinderbetreuung angemessen entlohnen

Betrifft: Artikel "Keine Zeit zum Streik" (EJZ vom 8. Mai)

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Das Juwel des Himmels ist die Sonne, das Juwel des Hauses ist das Kind." Wer würde das nicht unterschreiben? Und folgerichtig besteht zu Recht die Erwartungshaltung, dass dieses Juwel, wenn es eine Kindertagesstätte besucht, auch von gut ausgebildeten, freundlichen und motivierten Erzieherinnen und Erziehern betreut wird.

Niemand stellt heutzutage mehr infrage, dass die Qualität der frühkindlichen Bildung entscheidend für den weiteren Lebensweg der Kinder ist. Auch die Arbeitgeberverbände fordern folgerichtig, dass Kinder so früh wie möglich Bildung erfahren, gezielt lernen und dabei auch noch systematisch gefördert werden. Dabei geht es um Schlagwörter wie altersgerechtes Lernen und Spielen oder den Ausgleich von Startnachteilen für Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern. Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten sollen Sprachvermögen ebenso fördern wie die Gewandtheit im Umgang von Zahlen, Größen und Relationen oder die Beschäftigung mit Musik und Kunst. Sportliche Aktivitäten und das erste aktive Leben von Technik- und Naturphänomenen sollen ebenfalls ermöglicht werden. Und selbstverständlich sollen die Eltern im Rahmen einer gelebten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft umfassend einbezogen werden.

Damit wird schon deutlich, dass die Anforderungen an die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. ln allen Bundesländern regeln inzwischen Bildungspläne den Berufsalltag. Kinder werden individuell und in verschiedenen Bildungsbereichen gefördert. Zudem müssen die pädagogischen Fachkräfte die Entwicklung ihrer Schützlinge sorgfältig beobachten und reflektieren. Viele Einrichtungen entwickeln sich von der Tageseinrichtung für Kinder zu komplexen Familienzentren.

Um es klar zu sagen: Wir wollen den an uns gerichteten Ansprüchen gerecht werden. Und es ist uns bewusst, welch verantwortungsvolle Aufgabe wir haben. Wir stellen aber auch die Frage: Was ist der Gesellschaft eine gute Betreuung ihrer Kinder eigentlich wert? Arbeitgeber und Politik betonen gern immer wieder die gesellschaftliche Bedeutung der Sozial-Erziehungsberufe, zumal klar ist, dass der Fachkräftebedarf in diesem Bereich wächst.

Wer frühkindliche Bildung und Betreuung in der Bundesrepublik Deutschland weiter ausbauen will und dabei pädagogische Höchstleistung erwartet, der muss seine Fachkräfte in den Kindertagesstätten auch angemessen entlohnen. Die Arbeitgeber haben sich ernsthaften Verhandlungen bislang leider verweigert. ln der Urabstimmung haben sich 93 Prozent der Kolleginnen und Kollegen für einen Arbeitskampf ausgesprochen.

Gabriele Sandfuchs,

Martin Weber, Groß Heide

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